Rechter Rausch

Bei Razzien gegen Rechtsextreme stellt die Polizei neben Waffen oft auch illegale Drogen sicher. Wie passt das zum Selbstbild einer natürlich gesunden › Volksgemeinschaft ‹ ?

DATUM Ausgabe Februar 2021

Vom vermutlich › größten Waffenfund seit Jahrzehnten ‹ berichteten österreichische Tageszeitungen : Mitte Dezember 2020 wurden im Zuge von Hausdurchsuchungen an die hundert Schusswaffen, dazugehörige Munition sowie Handgranaten und Sprengstoff sichergestellt. Aber nicht nur die Entdeckung selbst sorgte für Aufsehen, sondern auch der Umstand, dass es sich beim Hauptverdächtigen um einen alten Bekannten aus der rechtsextremen Szene handelt.

Peter B. war bereits mehrfach wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz verurteilt worden, stand im Visier der Ermittlungen im Zuge des Briefbombenterrors Mitte der 1990er und gehörte zudem zu den Kameraden von › Neonazi-Führer ‹ Gottfried Küssel. Auch aktuell verbüßt er noch eine Strafe und befand sich lediglich auf › Freigang ‹. Seinen ersten Aussagen zufolge sollten deutsche Neonazis mit den beschlagnahmten Waf­fen versorgt werden, möglicherweise um damit eine eigene Miliz aufzubauen.

Nur am Rande der Berichterstattung wurde hingegen erwähnt, dass es sich eher um einen zufälligen Fund gehandelt hatte. Ursprünglich waren nämlich organisierte Kriminalität und Drogenschmuggel zwischen Österreich und Deutschland Ausgangspunkt für die polizeilichen Nachforschungen gewesen. So stellten die Ermittlungsbehörden in Österreich während der Hausdurch­suchungen und Verhaftungen von vier weiteren Personen (davon eine Frau) auch einige Kilogramm Drogen sowie NS-Devotionalien sicher. 

Zwei weitere Personen stehen in Deutschland im Verdacht, ebenfalls mit Drogen gehandelt zu haben. Im Zuge von Razzien, die in diesem Zusammenhang in mehreren deutschen Städten durchgeführt wurden, kam es zur Beschlagnahmung von rund zwei Kilogramm Marihuana und 50 Gramm Kokain sowie zur Festnahme eines deutschen Drogenkuriers in Passau, der 23 Kilogramm Amphetamin bei sich hatte. 

Die Polizei suchte also Drogen – und fand sie in einem Waffenlager von Rechtsextremen. Dabei werden Konsum und Verkauf von Suchtmitteln in rechtsextremen Kreisen zumeist ausschließlich zugewanderten Personen zugeschrieben, die in dieser Sichtweise eine Bedrohung für den › Volkskörper ‹ darstellen. Wie passt Drogenhandel in das Bild der strammen, natürlich-gesunden und vor allem wehrhaften › Volksgemeinschaft ‹ ? 

Dass Rechtsextreme Waffen horten und angesichts aktuell beschworener Be­drohungsszenarien – vermutlich auch auf Anweisungen von Führungspersonen innerhalb der Szene – nachgerüstet haben, ist wenig verwunderlich. Belegt ist es nicht nur durch die rechtsterroristischen Anschläge, wie sie in den letzten Jahren in Halle, Hanau, Christchurch oder El Paso stattgefunden haben und dabei zahlreichen Menschen das Leben kosteten. 

Auch Peter B. bewegte sich bereits in den 1990ern in einem neonazistischen Umfeld, in dem Gleichgesinnte im niederösterreichischen Wald › Krieg ‹ spielten und Wehrsportübungen abhielten. 2018 war er außerdem wegen Einfuhr von Waffen und Suchtmitteln in Passau verurteilt worden. 

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