Ein rot-weiß-roter Beamter

Seit 17 Jahren prägt Clemens Martin Auer die heimische Gesundheitspolitik. Dafür steht er im Zentrum der Kritik an der Pandemiebekämpfung. Wie wurde ein Erz-Schwarzer zum wichtigsten Stellvertreter des grünen Ministers?

DATUM Ausgabe März 2021

Gäbe es irgendwo einen ehemaligen k. u. k. Hofliefer­anten für Spitzenbeamte, würde er wohl mit Clemens Martin Auer werben. Sein adrett gepflegter Bart, die guten, aber nicht zu guten Anzüge und seine zwischen milder Strenge und mitleidiger Güte schwankende Mimik : Optisch fühlt man sich beim Sonderbeauftragten für Gesundheit im Gesundheitsministerium gut aufgehoben. Eine Mischung aus Märchenonkel und Oberrabbiner. Der wird das schon machen, könnte man denken, der schaut danach aus.

Diese Ausstrahlung kann Clemens Martin Auer derzeit gut brauchen. Er steht im Epizentrum der größten Gesundheitskrise seit dem Zweiten Weltkrieg gleich hinter – wenn es nötig ist auch vor – Minister Rudolf Anschober. Auer war einst Sektionschef und davor Leiter des Kabinetts von ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat. Ein in der Wolle gefärbter Schwarzer, der zumindest nach außen hin zum wichtigsten Vertreter ­eines grünen Ministers geworden ist – wie kann das sein ?

Er selbst will darüber keine Auskunft geben. Ein Interview sei › in diesem ­Zusammenhang … aktuell leider nicht möglich ‹ lässt sein Ressort nach län­gerer Urgenz ausrichten. Das Gesundheitsministerium hat seit Monaten Mühe, Anfragen zu beantworten. Überhaupt geht recht viel schief. Verordnungen sind gesetzeswidrig, Akten werden nicht ordentlich geführt, und zwischendurch weiß niemand mehr, welche ­Masken man tragen darf. › Ganz normal in einer Pandemie ‹, sagen die einen. › Könnte mittlerweile besser laufen ‹, meinen die anderen.

Jemanden zu porträtieren, ohne mit ihm gesprochen zu haben, ist immer eine Gratwanderung. Gemälde, die nach Fotografien entstehen, sind auch nicht dasselbe wie solche vom lebenden Modell. Vor Kurzem hat Auer noch mit Medien gesprochen. Ein Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Staub aufgewirbelt. Seit er auf EU-Ebene die Impfstoffbeschaffung mitverhandelt hat, steht er besonders in der Kritik. Anschober sah sich zu einer öffentlichen Verteidigung veranlasst. › Auer bleibt ‹ verkündete das Online-Magazin von Anschobers ehemaligem Parteifreund Peter Pilz, ZackZack. Einen Tag später fragte es : › Auer am Ende ? ‹ Es sind komplizierte Zeiten. Da nimmt das Ressort einen Beamten lieber aus der medialen Aufmerksamkeit. Es wird also ein Gemälde vom Foto.

Auers Kritiker sind derzeit lauter als seine Fans. Der Münchner Ifo-Chef ­Clemens Fuest warf Auer zuletzt eine › Mischung aus Ignoranz, Inkompetenz und Arroganz ‹ vor. Wobei man dazu wissen muss, dass Auer zuvor eine Idee des Wirtschaftsforschers in der Süddeutschen als › Schwachsinn ‹ bezeichnet hatte. Fuest hatte vorgeschlagen, den Impfherstellern Prämien anzubieten.

Auer sei › eine Notlösung ‹, schrieb ZackZack. Schließlich habe Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) ihn in diese Position › befördert ‹. Wenn dem so wäre, hätte die FPÖ ein kurzes Gedächtnis. Parteichef Norbert Hofer hat seit Beginn der Pandemie bereits dreimal per Aussendung Auers Rücktritt gefordert. Er sei › eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung ‹.

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