Leere Becken

Österreichs Freibäder sind ein Verlustgeschäft. Sind sie zu retten ? Und zahlt sich das überhaupt aus ?

·
Illustration:
Tiago Galo
DATUM Ausgabe Juli/August 2017

Das trübe Regenwasser steht einen halben Meter hoch im Becken. Wenn die Sonne auf die Wasseroberfläche scheint, sind auf dem Grund die schwarzen Fliesen, die drei Schwimmbahnen markieren, gerade noch erkennbar. Rechts vom Baby­becken, das mit nassem Laub gefüllt ist, führt eine steinerne Stiege ins Hallenbad. Dort stehen im 25 Meter langen Becken Sesselreihen. Früher haben hier die Kinder der Volksschule Gänserndorf schwimmen gelernt. Seit das Bad im Februar diesen Jahres zugesperrt hat, gibt es kein Schulschwimmen mehr. Stattdessen wird im leeren Hallenbadbecken manchmal Kabarett veranstaltet.

Die Geschichte des Gänserndorfer Hallen- und Freibades ähnelt der Geschichte vieler Freibäder in Österreich. In den Siebzigern investierten wohlhabende Gemeinden in Freizeitangebote. Jeder Bezirk wollte sein Hallenbad, jeder Bürgermeister sein Freibad. Im Marchfeld brachte das hohe Erdölvorkommen der Region viel Geld. Dennoch lief das Gänserndorfer Bad seit der Eröffnung 1979 defizitär. Am Ende verlor es jährlich 450.000 Euro. ›Von den Lüftungsanlagen bis zu den sanitären Einrichtungen war das Bad an allen Ecken am Ende‹, sagt René Lobner, ÖVP, seit zwei Jahren Bürgermeister der Stadtgemeinde.

Heute hat Österreich zum einen zu viele und zum anderen viele baufällige Bäder. Laut dem Fachverband der Gesundheitsbetriebe gab es 2016 in Österreich insgesamt 714 private und öffentliche Bäder. Konkret sind das 334 Freibäder, 192 Hallenbäder, 108 Hallen- und Freibäder sowie achtzig Natur-, See- und Strandbäder. In diesen Zahlen sind allerdings nicht alle österreichischen Bäder enthalten, da nur die gezählt werden, die Mitglied des Fachverbands sind. Das Zentrum für Verwaltungsforschung fand in einer Umfrage unter fünfzig Gemeinden heraus, dass im Schnitt auf jede der Gemeinden 0,7 Freibäder kommen; davon werden rund 70 Prozent von der jeweiligen Gemeinde selbst betrieben. In Wien nahm die Stadt im Jahr 2015 mit ihren 38 öffentlichen Bädern 14 Millionen Euro ein – 58 Millionen Euro gab sie dafür aus.
Es geht also um Millionen, die viele Gemeinden jedes Jahr verlieren. Warum sind die österreichischen Freibäder so ein Verlustgeschäft? Wie kann man sie retten? Und sind sie das überhaupt wert?

Den gesamten Artikel finden Sie in der
Juli-Ausgabe (2017) von DATUM. Und bis zu 50% vom Trafikpreis sparen.