Sancho Panza, ein Bauer aus Sachsen

Miguel de Cervantes schrieb mit ›Don Quijote‹ Weltliteratur. Seine zahlreichen Übersetzungen schreiben bis heute mit.

DATUM Ausgabe November 2017

Kaum einen anderen Helden der Weltliteratur hat man so klar vor sich wie den dürren Don Quijote, der, mit einer Lanze in der Hand, begleitet von seinem treuen Knappen Sancho Panza, auf einem klapprigen Ross die Weiten des spanischen Hochlands durchzieht. Meist ist es natürlich nicht der tausendseitige Roman, der uns dieses Bild vor Augen führt, sondern eine seiner Illustrationen und Variationen – als Kinderbuch, Musical, Graphic Novel oder Zeichentrickserie. Das ist schade, denn Don Quijote ist viel mehr als das Stereotyp des gegen das ›Böse‹, gegen Ungerechtigkeiten anreitenden Spaniers. Das 1605 von Miguel de Cervantes veröffentlichte Buch – und seine Fortsetzung von 1615 – sind Meilensteine der Weltliteratur, die ersten realistischen Romane überhaupt, radikal und modern. Im Spanischen Bürgerkrieg erhoben die Republikaner das Buch zur weltlichen Bibel, und nach der Bibel ist Don Quijote tatsächlich das verbreitetste und meistübersetzte Buch der Welt. 2002 wählten einhundert Autoren und Autorinnen in einer Umfrage des Nobelpreisinstituts das Buch zum besten Roman aller Zeiten. Der US-Literaturkritiker Lionel Trilling behauptete 1950 gar, jede Fiktion sei nur eine Variation des Kernthemas des Don Quijote.

Dieses Kernthema ist die Diskrepanz zwischen der Weltanschauung, die man in sich trägt, und der äußeren Welt. Durch das Lesen von zu vielen Ritterromanen wurde der gutmütige, ältere Landadelige Alonso Quijano so verrückt, dass er den Plan fasste, unter dem Namen Don Quijote durch die Lande zu ziehen, um gegen das Böse zu kämpfen. Da es im Spanien des 17. Jahrhunderts genauso wenig fahrende Ritter gab wie heutzutage, war das Unterfangen komplett absurd.

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