›Der Poet schafft Oasen der Freiheit‹

Der Schriftsteller Ilija Trojanow spricht über österreichischen Nationalismus, eine Welt ohne Mozart und ›das Geschenk der Flucht‹.

Interviewer:
Stefan Apfl
·
Fotografie:
Gianmaria Gava
DATUM Ausgabe November 2017

Gestern Feldkirch, übermorgen Sierra Leone und heute eine altrosa Aida-Filiale in Wien-Alsergrund. ›Wohin ich gehe‹, schreibt Ilija Trojanow in seinem aktuellen Buch ›Nach der Flucht‹, das ›bestimmt meine Identität ebenso wie das, woher ich komme.‹ Während des Gesprächs, Trojanow erklärt gerade, was die Österreicher nicht hören wollen, kommt eine ältere Dame von ihrem Tisch am anderen Ende des leeren Lokals herüber: ›Könnten Sie um ein Dezibel leiser sprechen‹, fragt sie streng und wartet eine Antwort nicht ab. Der unscheinbare, höfliche Herr mit dem firmen Händedruck schaut einen Moment lang verdutzt. Dann spricht er weiter, ein Dezibel leiser.

Herr Trojanow, Ihr Buch ›Nach der Flucht‹ widmen Sie ›Meinen Eltern, die mich mit der Flucht beschenkten‹. Was ist das für ein Geschenk?
Ich bin der Diktatur entronnen, insofern ist es ein großes Geschenk. Ich weiß nicht, wie ich in einem kommunistischen Bulgarien zugerichtet worden wäre. Es ist schon merkwürdig, dass die wichtigste Entscheidung meines Lebens meine Eltern für mich getroffen haben. Mit der Widmung sage ich meinen Eltern: ›Ich trage die Entscheidung mit.‹

Nicht nur bei der Lektüre des erwähnten Buches, auch bei anderen Texten aus Ihrer Feder, neu und alt, fällt auf, dass Flucht für Sie nicht mit dem Moment des vermeintlichen Ankommens endet, ganz so, als ende sie nie.
Es gibt ja sehr, sehr viele Vorurteile, Fehlurteile über das Leben nach der Flucht. Dazu gehört, dass es einen klaren Moment der Ankunft gibt. Es gibt ein Sich-immer-wieder-neu-Zurechtfinden, ein Sich-Umschauen, ein Durchatmen, ein Verharren und dann aber auch ein Weiterziehen. Die Vorstellung von Flucht in einer schematisch linearen Darstellung ist unrealistisch. Die meisten Leute wollen allerdings Klarheit. Ich hatte gestern eine Lesung in Feldkirch und bei der Diskussion merkte man, dass die Leute verstört sind, wenn man sagt, es ist ›multidimensional‹.

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