Ein Leben im Tag von … Andreas Vitásek

Der Schauspieler und Kabarettist über Falten, Fett und Möpse.

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Fotografie:
Valerie Loudon
DATUM Ausgabe Dezember 2023/Jänner 2024

Ich habe einen natürlichen Wecker in Form eines Hundes, der recht punktgenau um 6:30 Hunger bekommt. Meine Frau und ich diskutieren kurz, wer aufsteht, um ihn zu füttern. Da wir auch ein schulpflichtiges Kind haben, verbindet derjenige das dann mit Frühstück machen. Ich brauche morgens vor allem einen Kaffee. Ohne bin ich nicht satisfaktionsfähig. Im Hintergrund läuft Ö1, außer es spielt gerade klassische Musik, die halte ich morgens nicht aus. Dann wechsle ich zu FM4.

Sport mache ich unregelmäßig und wenn, fahre ich auf dem Ergometer. Ich habe sowohl einen in unserer Wohnung in Wien als auch im Haus im Burgenland. Auf Letzterem sind mehr Kilometer drauf. Das Südburgenland hat eine gewisse Einsamkeit an sich, dank der ich mich dort gut auf mich selbst konzentrieren kann. In den letzten Jahren hat es sich deshalb zu meinem Arbeitsort entwickelt. Ich kann dort gut denken. Von meinem Schreibtisch aus schaue ich über das Tal vor mir. Das ist schön zum Schreiben. Fast zu schön. Ich muss aufpassen, dass mich die Idylle nicht ablenkt.

Die Gegend ist auch schön, um mit dem Hund spazieren zu gehen. Er ist unser zweiter, schon der erste war ein Mops. Wenn der beißt, passiert genau nichts, ich brauche keinen Gefährder in meiner Familie. Dafür brauchen Möpse eine Bezugsperson. Beim ersten Hund war das ich. Und beim neuen ist es meine Frau. Aus irgendeinem Grund findet er sie attraktiver als mich. Ich bin maximal die gern gesehene zweite Wahl.

Ich putze mich allerdings auch nicht sonderlich heraus. Kleidung spielt für mich keine Rolle. Ich war
vor vielen Jahren sogar Aktmodell. Wobei ich heute dafür wohl besser ­geeignet wäre als früher. Mittlerweile ist mehr Mensch da. Künstler bevorzugen Körper mit Falten, Fett und einer Geschichte. Keine perfekten, sondern interessante Körper. Im Vergleich zu damals würde ich mich insofern als ­interessanter bezeichnen. 

Wenn ich Zeit habe, versuche ich selbst zu kochen. Die Tendenz der ­Kinder geht in Richtung vegetarisch oder vegan. Ich finde, Kochen macht mit Fett und Fleisch mehr Spaß. Die Lösung dieses Konflikts sieht so aus, dass ich für meine Frau und mich in der Küche stehe, während die ­Kinder Foodora reich machen.

Mittags halte ich ein Schläfchen. Das hilft mir vor allem, wenn ich Abendtermine habe. Im Grunde macht mir mein Beruf ja Spaß. Nur wenn ich in die Vorstellung fahre und Leute um mich herum am Weg nach Hause sind, um sich mit einem Bier das Champions-League-Match im Fern­sehen anzuschauen, wünsche ich mir kurz einen Bürojob.

Auch wenn Humor mein Beruf ist: Ich selbst finde nur wenig witzig. Wenn mir etwas Humorvolles be­gegnet, analysiere ich es meistens. Warum bringt mich das zum Lachen oder weshalb zündet die Pointe nicht? Deswegen bin ich ein schlechtes Publikum. Es gibt auch nur wenige Kollegen hierzulande, die ich sonderlich lustig finde. Ich bevorzuge angelsächsischen Humor. Ricky Gervais und Louis C.K. –Letzteren finde ich noch lustig, weil ich Künstler und Privatmensch gut trennen kann.

Abends bleibt dann die letzte Runde mit dem Hund meistens an mir hängen. Das nervt im Moment des Schuhe-Anziehens. Danach geht es mir aber immer besser. Wenn ich keine Vorstellung habe, gehe ich meistens um Mitternacht ins Bett. Ich schlafe, noch bevor ich den Polster berühre. Das ist ein Segen. Aber nachts wache ich manchmal auf und kann nicht mehr einschlafen. Aus Angst vor meinem Hang zu Medikamentenmissbrauch – es gibt wenig Schöneres als ein gutes 500er-Parkemed – mache ich autogenes Training. Das funktioniert nicht immer, aber ich weiß dann zumindest, wie verspannt ich bin. •

Andreas Vitásek (67)
ist Kabarettist und Schauspieler. Er wohnt in Wien und dem Südburgenland. Letztes Jahr hat er unter dem Titel ›Ich bin der Andere‹ im Brandstätter-Verlag seine Autobiografie veröffentlicht, bis Februar läuft sein neues Programm ›Spätlese‹  im Wiener Rabenhof.

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