Eine Uni wird zur Festung
Donald Trumps Regierung hat nicht nur Migranten, sondern auch Hochschulen den Kampf angesagt. Was bedeutet das für den Uni-Alltag? Ein Besuch auf dem Campus der Rutgers-Universität, wo Menschen aus 125 Ländern lehren und lernen.
Niemand berichtet über diesen ganzen Wahnsinn!‹ Sara, die in dieser Geschichte nicht mit ihrem echten Namen vorkommen möchte, wurde gerade von Elon Musk gefeuert. Das heißt, wahrscheinlich, denn noch ist alles sehr unklar an diesem klirrend kalten Abend Mitte Februar in Newark.
Nach Dienstschluss hat die Angestellte der nationalen Steuerbehörde IRS gemacht, was sie immer tut, wenn sie aufgewühlt ist: New York verlassen und sich in irgendeine Vorlesung an der Rutgers-Universität gesetzt. Das ist ihre Alma Mater, hier bekommt sie den Kopf frei und kann ihrer Diskutierwut nachgehen.
Aber heute gibt es nichts zu diskutieren. Die 24-Jährige sitzt mittlerweile mit Professoren und Studenten in einem Pub gleich neben dem Campus und erntet Mitgefühl. Natürlich weiß sie, dass nicht nur US-Medien über jedes Detail der neuesten Pläne von DOGE berichten – jener Organisation der US-Regierung, die angeblich für mehr Effizienz im Staatsapparat sorgen will. Aufgekratzt und hilflos sucht sie nach Schuldigen. Die Gewerkschaft etwa, die das alles unvorbereitet getroffen hat.
Die restliche Runde am Tisch hat nach einem Monat mit Donald Trump schon resigniert. Wer weiß, ob wir in ein paar Jahren überhaupt noch freie Wahlen haben, denkt ein Professor laut nach. Gut, dass ich eine zweite Staatsangehörigkeit habe, sagt seine Kollegin, die wir hier Hülya nennen und die Historikerin ist. Sie ist vor 25 Jahren aus der Türkei in die USA gekommen und hat den American Dream für sich noch umsetzen können. In ihrem Fach ist sie international bekannt, ihr jetziges Einkommen wäre in ihrer ersten Heimat und wohl auch in Europa nicht möglich gewesen.
›Es hat sich ausgeträumt‹, sagt die Anfang-50-jährige Hülya. Heute würde sie Ausländern nicht mehr dazu raten, einen Master oder Doktor in den USA zu machen, denn niemand könne sagen, wohin sich dieses Land entwickelt. Eine große Professoren-Gewerkschaft hat gerade eine Warnung ausgeschickt, schnell in die USA zurückzukommen, falls man im Ausland ist. Denn mittlerweile hat auch die New York Times darüber berichtet, dass ein Einreisestopp für Menschen aus dem muslimischen Raum, aber auch Haiti oder Venezuela unmittelbar bevorstehen könnte. Das kennen die Amerikaner schon aus Trumps erster Amtszeit. Im Januar 2017 wurde ohne Vorwarnung ein ›Muslim Travel Ban‹ eingeführt und später auf arme Länder etwa in Afrika ausgeweitet.

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