Einmal geht noch

DATUM Ausgabe April 2024

Wenn man sich einen neuen Woody-Allen-Film ansieht, kann man seit Jahrzehnten genau zweierlei erleben: entweder einen Aufguss schon mehrfach gesehener erzählerischer Ideen, etwas fad und routiniert heruntergekurbelt. Oder einen Aufguss schon mehrfach gesehener erzählerischer Ideen – aber mit Verve, Esprit und kleinen genialen Einfällen gespickt. 

Allens bereits fünfzigster(!) abendfüllender Spielfilm, ›Coup de Chance‹ (D: ›Ein Glücksfall‹), dabei sein Erstlingswerk in französischer Sprache, gehört glücklicherweise in die zweite Kategorie. Mindestens bis zu ›Crimes and Misdemeanors‹ (D: ›Verbrechen und andere Kleinigkeiten‹) aus dem Jahr 1989 muss man wohl zurückblättern, um den Ursprung von Allens Beschäftigung mit jenem Thema zu finden, das der Auteur in seinem aktuellen Werk durch ein bewusst überzeichnetes Pariser Postkartenidyll tarnt: Wie ehrgeizige Männer über Leichen gehen, wenn ihre bürgerliche Existenz – inklusive der Kontrolle über ihre Frauen – bedroht ist. 

›Coup de Chance‹ nähert sich dem, mit einigen erzählerischen Analogien zu ›Scoop‹ (2006), wieder über das Komödienfach. Die existenzielle Tiefe und Dringlichkeit seiner filmischen Großtat ›Match Point‹ (2005) erreicht Allen damit zwar nicht noch einmal. Unterhaltsam, intelligent und doppelbödig ist der fünfzigste Streich des 88-Jährigen aber unbedingt. Zumal das diesmal gänzlich Star-freie Ensemble durchwegs mit großer Spiellaune überzeugt.  

Coup de Chance

Buch/Regie: Woody Allen 

Kinostart: 11. 4. 2024