Weil es die Kontrolle über die Proteste verloren hat, erfindet das iranische Regime immer öfter Anklagen. Jetzt trifft es fünf junge Alpinsportler: Sie sollen einen Terroranschlag geplant haben.
Es wäre falsch, von einer Verhaftung zu sprechen. Eschraq Nadschafabadi saß im Warteraum seines Zahnarztes, der bei ihm einen gefüllten Zahn laminieren sollte, als mehrere Männer in Zivil die Praxis stürmten und ihn mitnahmen. Das geschah am 9. November. Am Tag zuvor hatte Eschraq Freunden erzählt, sein Telegram-Account sei gehackt worden.
›Eschraq hat keine 2-Faktor-Authentifizierung genutzt‹, erzählt ein Familienangehöriger gegenüber DATUM. Der Sportler hätte nicht bewusst, dass die Agenten des Regimes Zugang zu allen SMS haben und sich über die Verifizierungscodes per SMS auch den Zugang zu anderen Messenger-Diensten verschaffen. Auf diese Weise hätten die Agenten erfahren, wann und wo sie Eschraq finden würden. Es wäre falsch, von einer Verhaftung zu sprechen, weil es eine Entführung war.
Die Familien und Freunde von Gefangenen sind im Iran massiven Repressalien ausgesetzt, deshalb möchte der Angehörige nicht beim Namen genannt werden. Kontakt mit ›feindlichen Medien‹ wird den Familien unter Androhung ›schlimmster Konsequenzen‹ untersagt.
Wochenlang wusste niemand, wohin man Eschraq verschleppt hatte, noch wie es ihm ging. Dann, am 14. Dezember, sah ihn seine Familie auf den Medienkanälen der Revolutionsgarden wieder, jener Streitkraft, die 1979 von Ruhollah Khomeini gegründet wurde, um das herrschende System ›vor äußeren und inneren Feinden‹ zu schützen.
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