›Haben wir verlernt zu träumen?‹

Das Beste an 2016: dass es bald vorbei ist. Und dann? Wir haben zehn Menschen an unseren Stammtisch geladen.

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Dokumentation:
Vera Deleja-Hotko
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Fotografie:
Stefan Fürtbauer
DATUM Ausgabe Dezember 2016

Es regnet in Mariahilf. 14.25 Uhr, ein Mittwoch Anfang November. Die letzten Mittagsgäste verabschieden sich, das Klirren und Klappern im Lokal Otto Bauer ebbt ab. Die Wahl des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten wird erst in einigen Tagen auf Donald Trump fallen. Die Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten ist gar noch einen Monat entfernt. Wir legen unsere drei Aufnahmegeräte bereit. In den kommenden sechs Stunden erwarten wir zehn Gäste aus zehn Fachbereichen: Ökonomie, Jus, Kunst, Schauspielerei, Politik, Linguistik, Medizin, Literatur, Soziales, Informationstechnologie. Mit ihnen wollen wir über das Jahr 2017 sprechen. Pünktlich um 14.30 Uhr betritt unser erster Gast, der Humangenetiker Markus Hengstschläger, das Lokal.

Herzlich willkommen, Herr Hengstschläger. 2016 ist ja nicht so gut gelaufen. Sind Sie für 2017 optimistisch?
Hengstschläger: Die letzten ein, zwei Jahre in meinem Fach haben gezeigt, dass wir uns derzeit in einem Umbruch befinden. Im Grunde haben wir heute eine neue Art der Medizin: Precision Medicine.

Was ist darunter zu verstehen?
Hengstschläger: Precision Medicine berücksichtigt, dass es nicht den einen Kopfschmerzpatienten, den einen Krebspatienten, den einen Osteoporosepatienten gibt, sondern dass jeder Patient schon allein aufgrund seines genetischen Hintergrunds einzigartig ist. Das führt zum einen dazu, dass die Prognose der Erkrankung ganz individuell ist. Und zum anderen dazu, dass Medikamente nicht mehr solche Blockbuster sind wie bisher.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Hengstschläger: In Zukunft werden genetische Untersuchungen den größten Anteil in den Biowissenschaften oder Life Sciences ausmachen. Wir kreieren derzeit Daten, Daten, Daten, indem wir das Erbgut von abertausenden Menschen entschlüsseln. Das erste Mal passierte das 2001 im Human Genome Project. Damals hat es Milliarden gekostet, heute kostet es pro Person 3.000 Euro und dauert ein, zwei Tage. In fünf Jahren kostet es vielleicht 100 Euro und dauert eine Stunde. Wenn man die 25.000 Gene eines Menschen in so geringer Zeit so kostengünstig sequenzieren kann, lassen sich daraus höchst relevante Schlüsse ziehen – etwa welches von fünf unterschiedlichen Medikamenten für einen Krebspatienten am besten geeignet ist.

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