Hass, der nicht vergeht

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle hat sich innerhalb nur eines Jahres verdoppelt. Es braucht mehr Bildung und Bewusstsein. Ein Jugendprojekt der ikg Wien zeigt, wie das gehen kann.

DATUM Ausgabe November 2021

Ein Holocaust relativiert nicht den anderen‹, ›Tod dem jüdischen Land‹, ›Hitler wäre stolz‹, stand auf den Plakaten. Als der Nahostkonflikt Anfang Mai wieder aufflammte, wurde auch in Wien demonstriert. Viele der wütenden Teilnehmer, darunter auch radikale Muslime, schrieben nicht etwa der israelischen Regierung, sondern allen Jüdinnen und Juden die Schuld zu. ›Steckt euch den Holocaust in den Arsch‹, gellte ein Schrei durch die Menschenmenge, woraufhin Jubel ausbrach. Direkt bei der Staatsoper, mitten in Wien. ›Das war schon sehr schlimm für uns‹, sagt Sashi Turkof, Präsidentin der Jüdischen Hochschülerschaft (jöh). Turkof und andere Teilnehmer einer Gegendemo wurden übel beschimpft, letztlich ist aber alles glimpflich verlaufen. Angst hatte sie trotzdem.

›Vor Antisemitismus ist man nur auf dem Monde sicher‹, schrieb Hannah Arendt schon 1941. Die jüdische Journalistin und Autorin musste 1933 selbst vor den Nazis fliehen, bevor sie im New Yorker Exil zu einer der wichtigsten politischen Stimmen werden sollte. Dass ihr Zitat unverändert bis heute gilt, zeigen Vorfälle und Statistiken weltweit.

Leider auch in Österreich: Laut Zahlen der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (ikg) Wien verdoppelten sich antisemitische Vorfälle innerhalb nur eines Jahres. 562 Vorfälle wurden im ersten Halbjahr 2021 gemeldet, also durchschnittlich drei pro Tag: 331 Mal verletzendes Verhalten, 154 gemeldete Massenzuschriften, 58 Sachbeschädigungen, elf Bedrohungen und acht physische Angriffe.

›Erschreckend‹ nennt diesen Anstieg Benjamin Nägele, Generalsekretär der ikg Wien. Er spricht von zwei Hauptgründen: den Anti-Israel-Demos aufgrund des im Mai eskalierenden Nahost-Konflikts sowie der Corona-Leugnerszene. ›Dort werden jahrtausendealte antisemitische Stereotype transportiert, von der Brunnenvergiftung bis zur angeblichen Bereicherung‹, sagt Nägele. ›Dazu kommt die Relativierung der Schoah, etwa durch die Gleichsetzung von Impfgegnern mit Opfern der Schoah.‹ Vor allem in Zeiten der Krise kämen die alten Vorurteile wieder zum Vorschein.

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