In der Unterwelt

DATUM Ausgabe September 2019

Die stupende Richtigkeit von Kronen-Zeitung-Schlagzeilen, zum Beispiel: ›Geldabheben immer beliebter‹, lässt mich, der ich im Dunkeln tappe, geschlagen zurück. Der Weisheit letzter Redaktionsschluss: ›Man hat nur eine Gesundheit.‹ Stimmt, aber nur, wenn man eine hat. Zu vieles dringt auf mich ein, bedrängt mich, aber das Gewissen hört nicht auf zu sticheln, ich soll mir Gedanken machen.

Die Mieten steigen, die Kapitalflüsse fließen an mir vorbei. Eine Flussmetapher war doch die des Triumphes: Am Ufer sitzen und die Leichen an einem vorbeitreiben sehen. Die Metapher ist erbärmlich, eine primitive Apotheose des eigenen Überlebens. Aber wie überleben?

Die Honorare sind niedrig bis zur Niedertracht. In meinem Beruf bin ich umschwärmt wie das Licht von den Motten. Meine Motten möchten von mir Artikel gratis, Interviews sowieso, und sie fragen gar nicht, ob ich bezahlt werden will. Da ich dort, wo ich bezahlt werde, so wenig bekomme, gebe ich ihnen alles gleich gratis und frage selber nicht.

Dennoch verdiene ich so viel, dass ich viel weniger haben darf als die, die noch viel weniger als ich verdienen: Die Steuer nimmt mir den Mehrwert weg, und ich zahle gern – für die Renovierung von Schulhöfen, für die Anstellung von Lehrern, und sogar meine Feinde will ich gut versorgt wissen, zum Beispiel Philippa Strache, die zukünftige Abgeordnete zum Nationalrat. Die Familien sollen in unserem Land unbedingt gefördert werden und sich wohlfühlen.

Ich zahle gern auch das, was mir gar nichts bringt: Willkommen bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft! Die zocken mich ab, dass es eine Freude ist. Die Tatsache, dass ich sie gar nicht brauche, weil ich bei der BVA bin, kommt ihnen nur entgegen, denn sie wollen mir eh nichts geben! Mittlerweile kenne ich den Gerichtsvollzieher gut, der chronisch bei mir die SVA-Beiträge kassieren muss. Oft sitzen wir im Café Hegelhof und besprechen die Lage.

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Wörter: 2356

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