Jazz im Kalten Krieg

DATUM Ausgabe April 2025

Im Zentrum des Dokumentarfilms ›Sound-track to a Coup d’Etat‹ stehen der Aufstieg und die CIA-Ermordung von Patrice Lumumba 1961, Ikone der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung und kongolesischer Premierminister. Rundherum erzählt der experimentelle Essay allerlei andere Geschichten. Über den Versuch der USA, mit Konzerten von Louis Armstrong im Kongo vom Putsch abzulenken, über die solidarische schwarze Bürgerrechtsbewegung und das Verhältnis von Jazz und Dekolonialisierung sowie über die Aufnahme neugegründeter afrikanischer Staaten in die UNO.

Außerdem werden die Rolle der belgischen Kolonialmacht, kongolesische Uranreserven, die Produktion von Atomwaffen sowie Politik, die nur ein Nebenprodukt von Wirtschaftsinteressen ist, verhandelt. Zu Wort kommen unter anderem Nikita Chruschtschow, Malcolm X, Nina Simone, diverse Zeitzeugen aus dem Kongo, europäische Söldner, NATO- und UN-Vertreter. 

Der Film des belgischen Regisseurs Johan Grimonprez setzt auf assoziative Interviews, historische Nachrichtensendungen, Konzerte, dokumentarische Aufnahmen aus dem Kongo, einen beschwingten Sound-track und Textzitate und ist so auch ästhetisch ganz Jazz. Dieses Hybrid
aus Polit- und Musik-Film wurde mutmaßlich wegen seiner soghaften Erzählweise prompt für die diesjährigen Oscars nominiert.

Dass der Film viel lehrt, dabei aber nicht pädagogisch oder thesenhaft wird, sondern das Publikum seine eigenen Schlüsse -ziehen lässt, macht ihn zu einer inhaltlich wie -formalen Bereicherung der kinematografischen Geschichtsschreibung.

Soundtrack to a Coup d’Etat

Regie: Johan Grimonprez

Mit: Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Abbey Lincoln, Max Roach, Nina Simone

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