Neue Beamte braucht das Land

Der öffentliche Dienst leidet an vielen Krankheiten. Eine Rückbesinnung auf alte Ideale wird das Beamtentum nicht retten, aber sie kann helfen, bessere zu entwickeln.

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Illustration:
Eugenio Belgrado
DATUM Ausgabe Februar 2024

Ein pensionierter Beamter erzählte in vertrauter Runde eine amüsante Anekdote: Während einer Dienstfahrt sei einst das Gespräch zwischen einer Ministerin und einem Sektionschef entgleist. Die Politikerin sei  über die Ansichten des leitenden Beamten dermaßen erbost gewesen, dass sie den Chauffeur auf der Autobahn anhalten ließ, um den Mann aus dem Wagen zu werfen. So amüsant dieser Schwank auch sein mag, ist er doch auch Beleg für eine wesentliche Funktion des Beamtentums: die Erdung der Politik. Jemand muss dem Minister sagen, was aus logistischen, rechtlichen oder sonstigen Gründen nicht geht. Schon für Josef II. gingen im Staatsdienst ›die Wahrheit im Berichten und die Genauigkeit im Befolgen‹ Hand in Hand.

Diese Funktion der Beamten, genauer der öffentlich Bediensteten, ist bedroht wie etliche andere. Um das Jammertal der Verwaltung zu verstehen, muss man es durchschreiten. Wo kam er her, der österreichische Beamte, und wo geht er hin? 

Wir brauchen besseres Personal

Als Archetypus des Staatsdieners gilt der vielzitierte josefinische Beamte. Der von Kaiser Josef II. so nachhaltig geprägte moderne österreichische Staat entstand aber keineswegs aus dem Nichts. Er war die Konsequenz einer sich diversifizierenden, arbeitsteiligen Gesellschaft und der Notwendigkeit, diese konkurrenzfähig zu steuern. Das bringt uns zur nächsten bedrohten Funktion des Beamtentums, der Fachkompetenz. 

So sehr Josefs Mutter, Maria Theresia, an althergebrachten Strukturen festhielt, so sehr machte die stets angespannte Haushaltslage in ihren Erbländern strukturelle Reformen nötig. Einer der ersten Vertreter der dafür ­erforderlichen Beamten neuen Typs war Joseph Mathias von Puchberg. Er wurde 1762 Hauptbuchhalter der gerade erst gegründeten Rechenkammer, der Vorläuferin des Rechnungshofes. Puchberg schuf in akribischer Arbeit eine vollständige Aufstellung der Vermögenswerte, Erträge, Abgänge und Schulden des Staates. Er war international vernetzt und gut ausgebildet. Das erste, was Puchberg in seiner neuen Funktion entdeckte, war ein Budgetloch. Die Behörden der Erbländer hatten mehr ausgegeben, als bis dahin bekannt war. Daraus lässt sich eine heute noch gültige Erkenntnis ableiten: Qualifiziertes Verwaltungspersonal verhindert und findet Fehler. Es kostet vielleicht mehr, spart aber dem Staat dafür langfristig Geld.

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