Angriff der Raubkatzen

Das russische Hackerkollektiv Black Cat versteht sich als Dienstleister für Wegelagerer im Cyberspace. Zuletzt ging ihnen das Land Kärnten ins Netz.

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Illustration:
Alina Mosbacher
DATUM Ausgabe Juli/August 2022

Zweierlei irritiert. Da wäre der für eine global agierende Unternehmung ausgesprochen sperrige Name: ›ALPHV‹. Man weiß nicht so recht, ob das V am Ende extra betont werden soll, oder ob er ausgesprochen wird als ›Alf‹, wie der nervige Außerirdische vom Planeten Melmac. Und dann die Tatsache, dass der Pressesprecher von ALPHV weder seinen Klarnamen verrät noch den Unternehmenssitz. Man weiß bloß, dass er und seine Kumpanen aus Russland kommen. Das auf IT-Sicherheit spezialisierte Onlinemagazin The Record hat vor einigen Monaten ein schriftliches Gespräch mit ihm geführt. Es war ein Interview mit einem Phantom.

Und doch liest es sich wie eine Plauderstunde mit einem prahlerischen Start-up-Menschen: Der ALPHV-Repräsentant spricht über maßgeschneiderte Preismodelle, die besondere Anwenderfreundlichkeit seiner Software, Stakeholder, immer wieder über Werbung und Markenbildung. Man sei ein Dienstleistungsunternehmen, und zwar das beste seiner Art: ›Ohne zu übertreiben, kann ich sagen, dass es derzeit auf dem Markt keine konkurrenzfähige Software gibt‹, sagt das Phantom. Bei all der Phrasendrescherei gerät das eigentliche Geschäftsmodell seines Unternehmens in den Hintergrund. Das ist nämlich nichts anderes als hundsordinäre Erpressung. The Record hat den Vertreter einer kriminellen Organisation interviewt, die weit oben auf der Fahndungsliste des FBI steht. Zuletzt wurde das Land Kärnten zum Opfer dieser Wegelagerer im Cyberspace. Fünf Millionen Dollar in Bitcoin sollte die Lokalregierung in Klagenfurt überweisen, damit ihre von ALPHV lahmgelegten Server wieder hochfahren können. 

Hinter ALPHV, hierzulande besser bekannt unter dem Spitznamen ›Black Cat‹, steckt eine Gruppe von Hackern aus Russland, die eine Software erfunden haben, mit der Einbrüche in fremde Computersysteme kinderleicht sein sollen. Und die bieten sie zum Verkauf. Zumindest in der Theorie ist das eine prima Sache, um schnell viel Geld zu verdienen. Man sucht sich ein Opfer und wendet sich dann an das Team von ›Black Cat‹. Die Leute dort stellen das notwendige Programm zur Verfügung, samt einem ganzen Arsenal an Werkzeugen, mit denen selbst sorgfältig geschützte IT-Systeme geknackt werden können. Wenn die Operation glückt und das Geld überwiesen wird, schneidet Black Cat mit. Im Gegensatz zu vergleichbaren Anbietern verlangen sie nur einen moderaten Anteil der Beute, deutlich weniger als die Hälfte. Auch die knallharte Preispolitik trägt zum Erfolg des im Vorjahr gegründeten Unternehmens bei. 

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