Der Bauer Stefanie

Die Geschichte einer Frauwerdung.

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Fotografie:
Thomas Kern
DATUM Ausgabe Februar 2018

Geboren am Morgen des 25. November 1969 im Kantonsspital Aarau: Stefanie L., sechs Wochen zu früh, 2.800 Gramm, die Haut gelb, Atemnot, Durchfall. Stefanie überlebt. Sie ist das dritte Kind ihrer Eltern, die Mutter Bäuerin, der Vater Bauer in R., drei Kilometer bis ins Dorf. Stefanie beginnt spät zu gehen, spät zu reden, sie ist schlank und blond und hübsch, ein fröhliches Kind, manchmal setzt sie sich zum Vater, der lustige Geschichten ausdenkt, Stefanie sei ein Zauberer und habe einen Stab, damit klopfe sie an einen Baum, schtips, schtaps, schtöps, aus dem Baum wird, was man sich wünscht. Am Abend sitzt Mama an den Betten, spricht ein Gebet, zeichnet den Kindern das Kreuz auf die Stirn. Droht ein Gewitter, bricht sie einen Zweig von der Palme, die der Pfarrer vor Ostern segnete, und legt ihn ins Feuer – Jesus und Maria, verschont uns vor Hagel und Sturm.

Das Kind, sagt die Lehrerin, sei Legastheniker. Der Mutter, in Ägeri zu Kur, schickt Stefanie jeden Tag einen kurzen Brief: Liebe Mama, gestern Abend bekam die Sau in der zweiten Box zehn Ferkel. Von Stefan.

Auf dem Pausenplatz stellen sie ihr das Bein, drücken ihr Gesicht in den Brunnen.
Dann spiel doch mit den Mädchen, sagt Papa.
Dann schlagen mich die Buben erst recht.
Liebe Mama, hat es in Ägeri schon Schnee? Stefan.

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Wörter: 4359

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Lesezeit: ~30 Minuten

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