Die Kiste fürs Kaff

Geistergeschäfte sollen Leben in die Orte und Regionales in die Einkaufskörbe bringen. Werden sie die Nahversorgung retten können?

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Fotografie:
Stefan Fürtbauer
DATUM Ausgabe Juni 2022

Auf den ersten Blick wirkt Dorf an der Pram wie eine ziemlich gewöhnliche Ortschaft. Knapp mehr als tausend Einwohner hat die Gemeinde im Innviertel, viele Einfamilienhäuser und Bauernhöfe. In der Mitte ein Wirtshaus, eine Raiffeisenbank, ein Kirchturm ragt barock in den Himmel. An diesem Freitag im Mai wird Dorf an der Pram aber zu einem Labor für die Zukunft des österreichischen Handels geadelt. Zumindest erklären das die vier Herren, die in Anzügen vor einer Box stehen und zu den Leuten sprechen.

Die Box, 36 Quadratmeter klein, außen blau und innen unbemannt, ist seit August das einzige Lebensmittelgeschäft in Dorf an der Pram. Vorher hatte es sieben Jahre lang gar keines gegeben. Der Container trägt den Markennamen ›Unibox‹, Kunden treten mithilfe einer Handy-App oder ihrer Bankomatkarte ein, scannen ihre Einkäufe dann selbst ein und bezahlen an einem Bildschirm.

Andreas Haider ist einer der vier Männer im Anzug und Geschäftsführer der oberösterreichischen Unimarkt-Gruppe. Er hat zu dieser Pressekonferenz ins Dorf geladen. Unter die Lokaljournalisten haben sich ein paar Einheimische gemischt und hören verwundert zu. Boxen wie diese seien die Zukunft, sagt Haider: ›600 Gemeinden in Österreich sind ohne Nahversorger, das Potenzial ist riesengroß.‹ Danach spricht Alexander Palnik von der Softwarefirma Syreta, deren Technologie in den bisher zwölf Uniboxen verbaut ist. Palnik schwärmt: ›Alle Händler kämpfen mit der Überbrückung der letzten Meile, auch Amazon. Mit der Unibox kommen wir den Kunden eine halbe Meile entgegen.‹ Schließlich referiert Christoph Teller, Handelsprofessor an der Johannes-Kepler-Uni in Linz, und denkt noch größer: ›Die Unibox liegt im globalen Trend, beim Einkaufen ist Nähe »the new sexy«.‹

Manche Bewohner schauen die drei Herren so an, als seien sie aus einem Raumschiff gestiegen. Nur dass Bürgermeister Thomas Ahörndl (ÖVP) auch vorne steht und erzählt, dass er in der Box gerne Plundergebäck kauft, wirkt beruhigend. Dorf an der Pram, wo die Leute noch in Kirchenchor und Goldhaubengruppe zusammenfinden, soll ein Pionier fürs Einkaufen der Zukunft sein? Ja, so sieht es wohl aus. Denn in genau solchen entlegenen Dörfern wittern Start-ups und etablierte Handelsunternehmen ein weites Geschäftsfeld.

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