Die letzte Tschick
Im Hausruckviertel baut Reinhard Leitner den Tabak für Österreichs letzte eigene Zigarettenmarke an. Obwohl er selbst nicht mehr an eine Zukunft der Branche glaubt.
Reinhard Leitner steigt aus seinem Auto aus. Er nimmt die Zigarette aus dem Mund und packt den Stummel in einen kleinen mobilen Aschenbecher. Direkt steckt er sich die nächste zwischen die Lippen. Im blauen Sakko peilt er zielstrebig ein großes Feld an. Die Schuhe versinken im Matsch. Hier im oberösterreichischen Hausruckviertel ist der letzte Sommerregen noch spürbar. Ein großes Maisfeld erstreckt sich hinter der Wiese. Vereinzelt blühen ein paar Apfelbäume. In mehreren langen Reihen wächst noch eine weitere Pflanze. Sie hat große grün-gelbe Blätter und trägt dunkelrosa Blüten. Getrocknet und verarbeitet wird sie täglich milliardenfach in den unterschiedlichsten Formen konsumiert. Hier baut Reinhard Leitner seit über zehn Jahren Tabak an.
2014 gründete er die österreichische Zigaretten-Marke ›Tschick‹. Der Tabak-Connaisseur ist Mitte 50 und groß gewachsen. Er wirkt gelassen und kommt schnell ins Plaudern. ›Man fängt bei der Ernte immer von unten an, da sich hier zuerst die Wirkstoffe anreichern‹, sagt er und knickt ein reifes Tabakblatt ab. Sobald sich die Blätter gelb färben, haben sich die Aromen entwickelt. Aus den rund tausend Tabakpflanzen lässt sich zwischen 100 und 300 Kilogramm Tabakfeinschnitt gewinnen. Die Blätter trocknen in einer kleinen Scheune nebenan. Reinhard Leitner blickt nach oben. Über ihm strecken sich sorgfältig mehrere Reihen braun-getrocknete Tabakblätter, die er dort selbst eingefädelt hat. Wenn der Tabak so weit ist, dann wird er in Ungarn zur fertigen ›Tschick‹ gerollt. Was treibt einen, im 21. Jahrhundert eine eigene österreichische Zigarettenmarke zu gründen? Und wie vereinbart man all die negativen Auswirkungen des Rauchens als Tabakhändler mit seinem Gewissen?
Die Europäische Union hat dem Rauchen längst offiziell den Kampf angesagt. Bis 2040 sollen laut der EU-Kommission weniger als fünf Prozent der Europäerinnen und Europäer Tabak konsumieren. Das Ziel sei eine ›Tobacco-Free-Generation‹. Auch in Österreich verringerte sich der Anteil der rauchenden Männer in den vergangenen 50 Jahren um etwa 15 Prozentpunkte. Dafür stieg die Zahl der Konsumentinnen an. Insgesamt rauchen in Österreich immer noch 20,6 Prozent der Bevölkerung täglich. Das liegt weiter über dem OECD-Schnitt von etwa 15 Prozent.
Wenn man Reinhard Leitner fragt, warum er unter diesen Umständen ›Tschick‹ gegründet hat, dann antwortet er zunächst kurz: ›Weil ich nichts anderes gelernt habe.‹ Dass das nur die halbe Wahrheit ist, zeigt sich schnell. Er wuchs in den 70er-Jahren direkt hinter der florierenden Linzer Tabakfabrik auf und mochte den erdigen und feuchten Geruch, der die Anlage umhüllte. Als Jugendlicher jobbte er schon im Verkauf. Bei der Austria Tabak anzufangen, war eine einfache Entscheidung. Auch heute schwelgt er noch in Erinnerungen. ›Der Zusammenhalt war groß und man war stolz darauf, Teil der Austria-Tabak-Familie zu sein.‹ Es wurden Kindergärten, Ferienheime und günstige Wohnungen für die Mitarbeiter angeboten. Leitner nennt die Austria Tabak einen ›Pionier der sozialen Absicherung‹. Schon 1784 wurden, mit der Errichtung des Tabakmonopols unter Kaiser Josef II., Kriegsinvalide mit der Vergabe von Verkaufsstellen bevorzugt. Die Austria Tabak beschäftigte zu Hochzeiten bis zu 40.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an fast 30 Standorten.
1995 kündigte sich langsam das Ende der Austria Tabak an. Das besiegelte auch vorerst das Ende des österreichischen Tabakanbaus. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union schloss das staatliche Produktionsmonopol aus. Zwei Jahre später wurden zunächst 49,5 Prozent des Unternehmens privatisiert. Der Rest wurde unter dem blau-schwarzen Leitspruch ›Mehr privat – weniger Staat‹ an den britischen Gallaher-Konzern für etwa 770 Millionen Euro verkauft. Reinhard Leitner blieb weiterhin dabei, auch als die Chefetage 2007 erneut wechselte. Nach knapp sieben weiteren Jahren unter Japan Tobacco International (JTI) verabschiedete er sich dennoch. Der letzte österreichische Produktionsstandort war mittlerweile geschlossen. Die Arbeitsstrukturen des Großkonzerns waren für ihn nicht mehr tragbar. Auch von der einstigen ›Familie‹ war nichts mehr übriggeblieben.
Leitners Leidenschaft für die Tabakpflanze blieb jedoch. So machte er die ›Tschick‹ zu seiner nächsten Aufgabe. Seine Marke ist heute die einzige, die kommerziell österreichischen Tabak zu Zigaretten verarbeitet. Viele ehemalige Kolleginnen und Kollegen hätten ihm damals weitergeholfen, auch sein privates Umfeld habe ihn ermutigt. In der einstigen Tabakfabrik in Linz mietet Leitner heute sein Büro. Eine günstigere Miete hätte er bestimmt auch anderswo bekommen, aber dieser Ort ist für ihn mehr als nur ein Arbeitsplatz. Hastig raucht er noch eine Zigarette, bevor er die türkisblaue Eingangstür öffnet. Dann navigiert er zielstrebig durch die labyrinthartigen Gänge. Wo einst jährlich mehrere Milliarden Zigaretten hergestellt wurden, ist heute nichts mehr davon zu bemerken. Im ehemaligen Kraftwerk wird nun in riesigen Tankern Bier gebraut. Heute dominieren verglaste Büroräume und Start-ups das Haus Casablanca, den größten Trakt der Tabakfabrik. Benannt wurde dieser, wie fast alle Gebäude hier, nach einer ehemaligen österreichischen Zigarettenmarke. An fast jeder Ecke kann Leitner eine Anekdote erzählen, als sei die Tabakfabrik ein Museum und er der Museumsführer. Egal, ob es die Struktur des Gebäudes, der Griff an der Tür oder das riesige Wandbild ist, alles in diesem Gebäude hat eine Geschichte, und die kennt er.
Vorbei an Fahrradläden und einer Reihe von Kunstateliers liegt das ›Tschick‹-Büro. In der Mitte steht ein großer rechteckiger Tisch, darauf zwei Tassen, gefüllt mit Zigaretten. Natürlich die Eigenmarke, Blau und Rot. Der Unterschied der Sorten liegt im Nikotingehalt: Die Blaue ist mit sechs Milligramm etwas milder, die Rote kratzt mit zehn Milligramm an der erlaubten gesetzlichen Grenze. Neben den Zigaretten fallen hier Eistee-Flaschen auf. Sie gehören zu der Schweizer Marke Heimat, bei der Leitner ebenfalls mitmischt. Neben den Zigaretten und Wuzeltabak aus der Schweiz produzieren sie dort CBD-Blüten und Hanfzigaretten.
Leitner zeigt durch das Fenster auf die andere Seite des Ganges. Vor der Schließung der Tabakfabrik habe er mit Kollegen versucht, die letzten Erinnerungsstücke zu retten. Nun ist eine Art privates Museum entstanden. Er schenkt eine Tasse Kaffee ein und fängt an, vom Leben als Zigarettenhersteller zu erzählen. Einmal habe die Klassenlehrerin seiner damals 11-jährigen Tochter gefragt, was ihre Eltern denn arbeiten würden. Sie antwortete: ›Meine Mutter unterrichtet Englisch und Italienisch. Und mein Vater ist Händler des Todes. Und zwar im ganz großen Stil.‹ Es ist eine von Leitners Lieblingsgeschichten. Er kann darüber lachen – vielleicht muss er es sogar können. ›Ich denke eigentlich schon mein Leben lang drüber nach‹, sagt Leitner. Persönlich tue er sich etwas leichter, da er selbst rauche und sich dem Risiko aussetze. Dennoch betont er: ›Die Gratwanderung zwischen Genuss und Freude am Rauchen und den massivst bis hin zu tödlichen Risiken ist mir sehr bewusst, und das möchte ich eigentlich auch nicht auf diese eine Anekdote reduzieren.‹ Die Kritik am Tabak und dem Produkt finde er gerechtfertigt. Er bestreitet die gesundheitlichen Schäden nicht. Allein in Österreich sterben laut offiziellen Statistiken des Bundesministeriums jährlich rund 13.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Die World Health Organization beziffert die globalen Zahlen auf etwa sieben Millionen.
Dennoch hat Leitner seine eigene Zigarettenmarke gegründet. Er erzählt, dass sich mit der Zeit der Gegenwind gelegt habe. Die Marke sei zu klein, um die großen Tabakkonzerne als Konkurrenz zu interessieren, persönlich wurde Leitner nie angegriffen. Das liegt vermutlich auch daran, dass es rechtlich gesehen nichts zu beanstanden gibt. ›Die Firmengründung selbst ist überhaupt kein Problem‹, erzählt Leitner. Natürlich sei es für ihn einfacher gewesen, da er bereits aus der Branche kam und sich mit dem Produkt und den Regulatorien auskannte. Es gebe steuerrechtliche Besonderheiten, und auch wie der österreichische Markt funktioniert, sei wichtig zu wissen. Genehmigungen zur Produktion von Zigaretten könne man auslagern an bereits lizenzierte Fabriken. So macht es auch Leitner. Er arbeitet mit einem Großhändler aus Österreich und einer Fabrik in Ungarn zusammen. Dadurch verteilt sich gerade zu Beginn der hohe bürokratische Aufwand. Ebenso ist der private und kommerzielle Tabakanbau in Österreich seit der Auflösung des staatlichen Produktionsmonopols erlaubt. Reinhard Leitner konnte auch hier auf seine eigenen Erfahrungen und das Wissen seiner Branchenkollegen aufbauen. Schnell pflanzte er den traditionell österreichischen Bolsunow-Tabak an, ein echtes Kind der Nachkriegszeit: Leitner erzählt, dass die Sorte nach einem sowjetischen Botaniker benannt wurde. Dieser habe in den 1930er-Jahren in der Sowjetunion bereits Forschungen zu Tabak betrieben. Nach dem deutschen Einmarsch habe er mit den Besatzern kollaboriert und eine Versuchsanstalt auf der Krim geleitet. Nach dem Krieg sei er dann gen Westen geflüchtet und kam in der britischen Besatzungszone in Österreich unter. Dort habe er für die Austria Tabak weiter geforscht und die Pflanze speziell an die hiesigen Bedingungen angepasst.
Das seither veränderte Klima scheint dem Tabak wohl zu gefallen. In Lehrbüchern sei die Sorte Bolsunow oft als hüfthoch beschrieben, sagt Leitner. Die Pflanzen im Hausruckviertel haben teilweise die Größe eines ausgewachsenen Menschen erreicht. In der ›Tschick‹ macht der selbst angebaute Tabak jedoch nur einen kleinen Anteil aus. In schlechten Jahren, als Reinhard Leitner sich mit Lagerbeständen aus dem Vorjahr aushelfen musste, betrug der Anteil nur 0,5 Prozent. In guten Jahren seien es einmal acht Prozent gewesen. Daher stehe auf der Schachtel auch nur ›mit Tabak aus Österreich‹. Da müsse man auch immer ehrlich sein, betont Leitner. Rein österreichischer Tabak käme außerdem geschmacklich nicht an andere Sorten heran. Im Allgemeinen hat sich ein bestimmter Blend, also eine Mischung unterschiedlicher Sorten durchgesetzt. Der ›American Blend‹ besteht aus Virginia-, Burley- und Orientaltabak. Für die ›Tschick‹ nimmt Leitner Tabak aus Österreich, Griechenland, der Türkei, Ungarn, Malawi und den USA. Um die Qualität und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sicherzustellen, verlässt sich Leitner auf vertraute Kontakte und besucht die Tabakbauern persönlich. ›Da muss man auch mal viel Ouzo vertragen‹, scherzt er. Besonders der Kauf des Tabaks aus Malawi sei heikel. Das ostafrikanische Land ist weltweit einer der größten Produzenten für Burley-Tabak und auch dessen Regierung sieht den Anbau als wichtig an. Berichte über Kinderarbeit und desaströse Arbeitsbedingungen überschatten jedoch diesen vermeintlichen Erfolg, laut Tobacco Tactics, einer Wissensplattform der University of Bath. Leitner weiß um das Problem, will sich über Details aber nicht äußern. Auf der Suche nach der Tabakmischung für seine ›Tschick‹ wollte er eigentlich nichts mit Tabak aus Malawi zu tun haben. Als er Kontakte zu einem unabhängigen malawischen Kollektiv von Bauern und Bäuerinnen bekam, war er zunächst skeptisch. Kurz vor der Corona-Pandemie besuchte er die Farmen selbst und war von der Qualität und Arbeit sehr beeindruckt. Leitner betont, dass ihm der persönliche Kontakt zu den Produzenten wichtig sei.
Aber der Tabakanbau wirft viele weitere ethische Fragen auf. Zum einen ist die Gesundheit der Bauern und Bäuerinnen gefährdet, die stetig in Kontakt mit der Tabakpflanze geraten. Über die Haut wird das Nikotin, das sich in allen Teilen der Pflanze befindet, absorbiert. Die World Health Organization (WHO) schätzt, dass sie dadurch täglich so viel Nikotin absorbieren könnten wie in 50 Zigaretten enthalten ist. Auch ökologisch richtet das Verlangen nach einer Zigarette großen Schaden an. Die Pflanzen brauchen viel Platz, werden industriell in Monokulturen angebaut und mit Hilfe von gesundheitsschädlichen Chemikalien besprüht. Der etwas höhere Gewinn, der dadurch erzielt wird, würde für Reinhard Leitner keinen Unterschied machen. Es gehe ihm vor allem darum, den Bezug zur Pflanze nicht zu verlieren, auf branchenübliche Pestizide oder Düngemittel verzichtet er daher laut eigener Aussage – außer auf ein Abwehrmittel gegen Schnecken. Solange die Pflanze nicht genug Nikotin produziert habe, sei sie stark anfällig. Das Nervengift, nach dem allein in Österreich Millionen Menschen süchtig sind, dient der Pflanze vorrangig als hocheffektiver Insektenschutz. Selbst nach der Ernte bleiben die Blätter fragil. Doch auch hier setzt Leitner, so sagt er, auf natürliche Prozesse: Die Blätter bleiben über den Winter in der Scheune hängen und werden durch die Kälte geschützt. Ein ökologischer oder zumindest ein schonender Tabak-Anbau wäre laut Leitner so durchaus möglich.
Für ein Problem scheint es jedoch noch keine Lösung zu geben: den Tschickstummel. Die Filter bestehen aus Celluloseacetat, einem aufgrund der chemischen Modifizierung nur sehr langsam biologisch abbaubaren Material. Leitner erzählt, wie er und Kolleginnen und Kollegen bei der Schweizer Heimat-Zigarette auf rein biologisch abbaubare Filter umstellten. ›Wir dachten, wir wären die Helden.‹ Doch es kam anders: Ein bedeutender Teil der Kunden ging verloren. Neue kamen nicht dazu. Für die ›Tschick‹ wäre das das Ende gewesen, sagt Leitner, denn so viele treue Raucher habe sie nicht. Er geht von etwa 600 regelmäßigen Kundinnen und Kunden aus. Genau lasse sich das schwer nachvollziehen. Für ihn ist seine Marke also vor allem eines: ein Projekt aus Leidenschaft. Er hat keine offiziellen Mitarbeiter, stattdessen kommen zwei Mal im Jahr Freunde und Familie zum Aussetzen der Stecklinge und für die Ernte der reifen Blätter ins Hausruckviertel. Das Feld wird indirekt durch EU-Förderungen unterstützt: Offiziell betont die EU zwar, dass der Rohtabakanbau seit 2010 nicht mehr direkt gefördert wird. Allerdings können Beträge je nach geleisteten Arbeitsstunden pro Hektar ausgezahlt werden. Das Geld erhalte aber der Bauer, der das Feld verpachtet, sagt Leitner.
Weltweit rauchen über eine Milliarde Menschen, das ist etwa jede achte Person. Die Tendenz ist laut WHO leicht rückläufig, auch in Österreich. Reinhard Leitner kennt die Tricks der Industrie, um dennoch die Profite zu erhalten. Er kenne kaum ein anderes Produkt, das so häufig modifiziert und an die Bedürfnisse der Konsumenten angepasst werde. Das Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz teilt auf Anfrage mit, dass seit 1995 die strengeren Regulierungen von Zusatzstoffen, Werbung und Verpackung die Zahl der Raucher deutlich verringert hat. ›Zusatzstoffe, die bei Rauchtabakerzeugnissen das Inhalieren oder die Nikotinaufnahme erleichtern‹ und ›Zusatzstoffe, die in unverbrannter Form CMR-Eigenschaften aufweisen‹, seien verboten. Zweifelsohne bringen härtere Gesetze einen großen Nutzen. Dennoch lacht Reinhard Leitner, wenn er dieses Statement hört. Seiner Meinung nach seien weiterhin zu viele Zusatzstoffe im Umlauf. Dazu fokussiere sich die Industrie nun verstärkt auf die Filter, denn ›dort kannst du praktisch alles machen‹.
Das Gesundheitsministerium konzentriert sich nun auf die Regulierung von E-Zigaretten, tabakfreien Nikotinbeuteln und ähnlichen Erzeugnissen. Momentan prüft es eine Erweiterung des Tabak- und Nichtraucherschutzgesetzes (TNRSG). Dabei sollen Einweg-E-Zigaretten verboten und strengere Regeln für Nikotinbeutel eingeführt werden. Auf die Frage, warum der private und kommerzielle Tabakanbau in Österreich überhaupt noch erlaubt sei, verweist man auf das Landwirtschaftsministerium. Es wirkt, als ob die Welle an neuen Produkten das alte Problem überschwappt hat, bevor es gelöst werden konnte.
Leitner würde am liebsten kleinere Schachteln oder wie früher einzelne Zigaretten in Trafiken anbieten. Beides ist jedoch verboten. Laut Gesetz darf eine Packung nicht weniger als 20 Zigaretten enthalten. Davon profitiere laut Leitner nur die Industrie. Die Anzahl sei ziemlich gut auf das Rauchverhalten abgestimmt. In einem ist er sich sicher: Für die großen Konzerne werde es, aller verschärften gesetzlichen Einschränkungen zum Trotz, ein ›langsamer und schöner Tod‹.
Früher sei das Rauchen für ihn noch etwas Besonderes gewesen, heute mehr eine reine Gewohnheit. Auch er gibt zu, dass er mehrmals beim Versuch aufzuhören gescheitert ist. Er habe sich oft gesagt, dass ja jemand die Qualität der ›Tschick‹ feststellen müsste, das könne aber auch jemand anderer machen. Ob er seine Marke weiterhin betreiben würde, falls er selbst das Rauchen aufgibt? Auf diese Frage hat Reinhard Leitner noch keine finale Antwort gefunden. Bis auf weiteres werde er seiner Leidenschaft nachgehen. Eine Rückkehr in die Industrie bezeichnet er als ausgeschlossen, die Jahre des großen Geldverdienens seien für ihn vorbei. ›Der Tabak-Anbau wird in Österreich eine Nische bleiben – ob mit mir oder ohne mich.‹ •