Geschichtsträchtig
Liebe Leserinnen und Leser!
Es gehört zweifellos zu den aufregendsten Momenten im Leben eines DATUM-Herausgebers, eine neue Ausgabe bereits acht Tage vor Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vollständig lesen zu dürfen. Noch nicht gedruckt, nicht geklebt, nicht haptisch erfahrbar, aber bereit für die letzte Kontrolle, bevor sie in die Druckerei geht. Des Nächtens schickt Art Director Martin Renner den ›Plot‹ in die Runde, und bitte fragen Sie mich jetzt nicht, wieso das eigentlich so heißt. Es ist ein simples PDF-Dokument, der Begriff ›Plot‹ reicht bis in die Steinzeit der Medienproduktion, also die späten 1990er-Jahre, zurück.
Okay Boomer, wie auch immer: Da leuchtet sie am Bildschirm durch die Nacht, die fertige, aber noch ungeborene nächste Ausgabe von DATUM. Und die ganze harte Arbeit der vergangenen Wochen, das Hirnschmalz und das Herzblut bekommen ein Gesicht. Geschichten wurden sorgfältig recherchiert, an Texten mehrfach gefeilt, über Illustrationen und Fotos diskutiert. Das Streben zu kompromissloser Qualität bei gleichzeitig überschaubaren Ressourcen – das ist der große Spagat, der die Arbeit von DATUM-Chefredakteurin Christina Pausackl so anspruchsvoll macht.
In jener Ausgabe, die Sie gerade in Händen halten, ist ihr dieser Spagat ganz besonders gut gelungen. Als kritischer Medienkonsument, als den Sie die Lektüre dieses Magazins von vornherein auszeichnet, werden Sie jetzt sofort einwerfen, ich sei doch befangen. Das mag auch sein, heißt aber nicht, dass ich unrecht habe, und ich werde Ihnen auch sagen warum: Unter Pausackls Regie entstand in wenigen Wochen ein Schwerpunkt zur herannahenden ungarischen Parlamentswahl, der die dramatische Ausgangslage und die enorme Bedeutung dieser Wahl – für Ungarn wie für die Europäische Union – eindrucksvoll beleuchtet.
Der junge Journalist Dávid Gajdos, selbst halber Ungar, reiste für uns durchs Land und schildert in einer persönlichen Reportage die Stimmung zwischen Budapest und Balaton. Gemeinsam luden wir den Anti-Korruptionsaktivisten Sándor Léderer in die DATUM-Redaktion, mit der Bitte, uns das System Orbán zu erklären, sowie die Frage, welche Rolle Korruption in diesem System spielt. Und schließlich haben wir den Publizisten und Osteuropa-Experten Paul Lendvai dafür gewonnen, ein essayistisch-analytisches Psychogramm von Viktor Orbán beizusteuern.
›Geschichtsträchtig‹, dieses Wort wird gerne voreilig bemüht, in diesem Fall stimmt es.
Denn, wie sich die ungarischen Wählerinnen und Wähler am 12. April entscheiden, wird die weitere Geschichte unseres Nachbarlandes definieren, aber genauso jene des vereinten Europas.
Sie sehen, wir geben uns alle Mühe, unserem Produktversprechen ›Journalismus, der bleibt‹ gerecht zu werden. Wenn Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind, erzählen Sie es gerne weiter!