Das Geschäft mit dem Müll

Europa produziert immer mehr Plastikmüll und lagert das Problem aus. Ein Großteil landet in der Türkei, wo illegale Deponien Böden, Wasser und Menschen gefährden.

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Fotografie:
Anika Haider & Marian Wagner
DATUM Ausgabe April 2026

Yasin Yilmaz stapft über den aufgeschütteten Müll, der sich hier, an einem Wegrand in der Vorstadt Adanas, im Süden der Türkei, über hunderte Meter hinweg auftürmt. Er zeigt auf eine Smoothie-Flasche mit spanischer Aufschrift, Verpackungen der Lidl-Eigenmarke und von Schokolade aus Großbritannien. ›Der gesamte Müll stammt aus Europa. Keine der Marken hier wird in der Türkei verkauft‹, sagt Yilmaz. 

Yasin Yilmaz ist Mitte fünfzig und arbeitete bis vor ein paar Jahren als Beamter für die Gemeinde Adana in der Abteilung für Umweltschutz. Er heißt eigentlich anders, möchte aber seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen. Yilmaz will keine Probleme bekommen. Denn der Plastikberg, auf dem er steht, ist eine illegale Mülldeponie. 

Seit 2018 ist die Türkei der Hauptabnehmer für Exportmüll aus Europa. 426.000 Tonnen aus der EU und weitere 151.000 Tonnen aus Großbritannien sind allein im Jahr 2024 in das Land verschifft worden. Lange Zeit war China der wichtigste Abnehmer für europäischen Plastikmüll. Doch 2018 verhängte die chinesische Regierung aus Umweltschutzgründen einen Importstopp. Andere asiatische Länder wie Indien, in denen auch große Mengen Plastik landeten, folgten und schränkten den Import ein. Seitdem ist die Türkei das Hauptziel der Abfallströme aus dem Westen.

Sechzig Prozent des Mülls, der in die Türkei importiert wird, landet hier, in Adana, rund eine Autostunde von einem der wichtigsten Häfen der Türkei entfernt. Adana liegt im sogenannten Çukurova-Delta, einer Küstenebene, die für ihre fruchtbaren Böden bekannt ist und als eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Zentren des Landes gilt. In den vergangenen Jahren hat sich die Gegend allerdings zunehmend zu einem Hotspot für die Recyclingindustrie verwandelt – mit fatalen Folgen. 

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