Während es in Wien eine gar nicht mal so kleine afrikanische Diaspora gibt, bemerkt man in der Gastronomie erstaunlich wenig. Neben einer Handvoll gut etablierter äthiopischer Lokale gibt es allerdings kaum westafrikanische Küche. Erfreulich also, dass vor einiger Zeit in Rudolfsheim-Fünfhaus eine austro-nigerianische Wirtshaus-Fusion eröffnet hat.
Die Stimmung im Lokal ist sehr freundlich, aber zunächst mehr 1150 als Lagos. Holztische, blinkende LED-Ketten, eine lange Reihe Jägermeisterfläschchen über der Budel. Dazu große Bildschirme mit zweierlei Fußballmatches (auf dem einen Arsenal, auf dem anderen Chelsea), und auch die Karte kommt auf den ersten Blick mit Burger und Schnitzel ganz herkömmlich daher. Und dann die Wendung: auf Seite 2 der Speisekarte gibt es eine schöne Auswahl nigerianischer Klassiker – Jollof, Fufu, Egusi Soup (eine Art Fleischgulasch-Suppe auf Melonenkern-Palmöl-Spinat-Basis).
Die Portionen sind üppig, die Preise moderat und es schmeckt super. Etwa der tiefrote Jollof-Tomatenreis, gewürzt mit einer Paprika-Zwiebel-Ingwer-Chili-Curry-Kardamom-Paste und dazu gebratene Hühnerkeulen und frittierte Kochbananen. Oder Fufu, ein festes Yams-Brot, das in seiner Konsistenz an Germknödel oder Mochi erinnert. Serviert wird er mit Suppen, wahlweise Spinat- oder Pfeffersuppe. Gegessen wird Fufu ohne Besteck: Man reißt kleine Stücke ab und tunkt sie in die Suppe. Fingerabdrücke im Yamsberg lassen sich dabei leider nicht vermeiden, dafür steht eine Schüssel Wasser zum Händewaschen bereit.
Besonders lecker ist der Tilapia, ein afrikanischer Buntbarsch mit knuspriger Kruste, Melanzanigemüse und Reis. Wer es milder mag, greift am besten zum Kurkuma-Reis mit cremigen Kokosmilch-Linsen, der gut mit einem Glas Ananas- oder Bananenwein harmoniert.
Also auf zu neuen Ufern! Und gehen Sie überhaupt öfter mal in die Vorstadt, auf der Märzstraße pulsiert das blühende Leben. Wer danach noch weiter eintauchen will, legt zuhause Afrobeat-Musik von Fela Kuti auf und freut sich, dass es eine spannende Welt jenseits von Europa gibt. •
Ochei Restaurant · Camillo-Sitte-Gasse 1 · 1150 Wien