Wie es ist … beim Song Contest null Punkte zu machen

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Fotografie:
Paul Schuetz
DATUM Ausgabe Mai 2026

Nach Conchita Wurst für ­Österreich am Eurovision Song Contest (ESC) teilzunehmen, ist keine einfache Sache. Ich glaube nicht, dass dasselbe Land im ­nächsten Jahr gleich wieder ge­winnen will. Einen Song Contest auszurichten, kostet schließlich einen ­Haufen Geld. Deshalb sollte wohl 2015 nicht jemand zum ESC fahren, der potenziell noch einmal den ersten Platz holt. Und dieser jemand war damals: ich – und meine Bandkollegen.

Als wir 2015 mit ›The Make­makes‹ für Österreich antreten durften, habe ich darüber natürlich nicht nachgedacht. Wir waren zwar von heute auf morgen weltberühmt in Österreich, aber in Wahrheit sind wir die jungen Burschen vom Land geblieben, die einfach gerne Musik machen. Dementsprechend haben wir uns durch das ganze ESC-Prozedere durchtreiben lassen, ohne groß zu hinterfragen, was da eigentlich passiert. Im Nachhinein war das vielleicht nicht die beste Idee.

Uns hat die Erfahrung gefehlt, und auch die Betreuer rund um uns haben das alles nicht so ernst genommen. Wir haben zum ­Beispiel im Rahmen einer Tour Österreichs Beitrag für den ESC im Rest Europas präsentiert. Für diese PR-Auftritte haben wir mehr Zeit mit Buffet und Weißwein verbracht als mit dem ­Einstudieren unserer ­Performance. Einmal standen wir in Amsterdam verkatert auf einer Pressekonferenz. ­Niemand hatte uns vorher Bescheid gesagt.­ ­Ähnlich lief es bei der Generalprobe vor dem Finale. 

Ich dachte, das wird wie üblich nur ein Soundcheck, und habe entsprechend halbherzig gesungen. Dass diese Probe bereits ­aufgezeichnet und online gestellt wird, wussten wir nicht. Unsere Bühnenshow am ESC wollten wir komplett schwarz-weiß halten. Das ging aber nicht, weil das schon ein anderer Act hatte. Wir hatten noch drei, vier weitere Ideen – auch davon durften wir keine umsetzen. Am Ende blieb nur das brennende Klavier. Das war bitter, schließlich kommt es beim ESC auch sehr auf die Show an. Trotzdem waren wir nach dem Auftritt eigentlich guter Dinge.

Die Punktevergabe war dann ernüchternd. Andererseits: Jedes Mal, wenn wir keine Punkte ­bekamen, nahmen die Leute um uns herum einen Schluck Wein und wurden immer betrunkener. Für mich ist aber nicht die Welt zusammengebrochen, die Punkte haben mich in dem Moment gar nicht so beschäftigt. Ich habe mir eher Sorgen um meinen Band­kollegen gemacht. Sein Vater ist extra aus dem Ausland angereist, um die Show zu sehen. Dass ›The Makemakes‹ von ganz ­Europa keinen einzigen Punkt ­bekommen haben, war sein erster Eindruck von der Band seines Sohnes. Das tat mir leid.

Trotzdem bereue ich nicht, beim ESC angetreten zu sein. ­Seitdem kann ich von Musik ­leben. Nach dem Song Contest ­waren wir mit ›One Republic‹ auf Osteuropa-Tour und haben eine Menge Konzerte gespielt.  Am Ende ist die Band aber an ­diesem ganzen Trubel zerbrochen. Wir haben im Sinne unserer Freundschaft aufgehört, Musik zu machen und wieder angefangen, gemeinsam wandern zu gehen. Das war die richtige Entscheidung. Wir sind bis heute befreundet.

Auch für mich persönlich war es gut, dass die Aufmerksamkeit nach dem schnellen Aufstieg ­wieder abgeflacht ist. Ohne Erfahrung hätte das auch anders aus­gehen können. So hat es natürlich weh getan. Aber es hat mich insgesamt auch zu einem besseren Menschen gemacht. •

Dominic Muhrer (35) ist Singer-Songwriter und Producer aus Salzburg. 2015 trat er mit seiner damaligen Band ›The Makemakes‹ für Österreich beim Eurovision Song Contest an. Aktuell ist
er mit seiner Band ›Bon Jour‹ auf Tour. 

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