Erben ohne Alles
In Österreich werden Milliarden vermacht, besteuert wird davon fast nichts. Trotzdem kommt die Erbschaftssteuer politisch nicht vom Fleck.
Es passiert nicht alle Tage, dass in Österreich auf einen Schlag Vermögen im Wert der Wirtschaftsleistung des Bundeslands Salzburg vererbt wird. 2022, nach dem Tod von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, war es aber so weit. Dass bei der Übergabe von knapp der Hälfte der Anteile eines Weltkonzerns keine Erbschaftssteuer anfiel, sorgte bei manchen für Frust – und für einige Unschärfen in der öffentlichen Debatte. So richtig wusste eigentlich niemand, wie viel Mateschitz’ Sohn Mark tatsächlich erbt. Das ist nicht untypisch für die Diskussion um Erbschafts- und Schenkungssteuern: viel Emotion, gepaart mit schlechter Datenlage. In Österreich wird das Vermögen von Privatpersonen nirgendwo zentral erfasst, und bei Haushaltsbefragungen erwischt man die Superreichen kaum.
Eines ist aber klar: In Österreich ist Erben vergleichsweise günstig. Es gibt eine Grunderwerbssteuer, wenn Immobilien weitergegeben werden. Eine klassische Erbschafts- und Schenkungssteuer, bei der ein prozentualer Anteil des weitergegebenen Gesamtvermögens einbehalten wird, gibt es nicht mehr. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist das Thema ein Dauerbrenner: eine zentrale Forderung der politischen Linken und ein Streitpunkt, der Emotionen hochgehen lässt. Denn es geht um mehr als eine (relativ kleine) Steuer. Es geht um Fragen von Fairness, Vermögensverteilung und darum, wie viel Einfluss der Staat auf familiären Besitz haben soll. Erbschaften sind emotional aufgeladen, weil sie für viele nicht nur Geld bedeuten, sondern Familie, Lebensleistung und Dinge wie das Elternhaus, also um das, was viele als Eigenes empfinden.
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