›Wenn jemand Flecken rausbekommt, dann ich‹
Name: Nermin Sarı, 46
Beruf: Textilreinigerin
Wie sind Sie Textilreinigerin geworden?
Ich habe mir den Beruf eigentlich nicht ausgesucht, sondern einfach schnell Arbeit gebraucht. Als ich Anfang der 2000er-Jahre nach Österreich kam, organisierte mir mein Vater eine Stelle in der Textilreinigung. Und jetzt mache ich das seit 23 Jahren.
Wie sieht Ihre Arbeit aus?
Am Anfang habe ich nur gebügelt. Wirklich nur das. Den ganzen Tag, acht Stunden lang. Fleckenbehandlung habe ich damals noch nicht gemacht, auch keine Maschinen bedient, das haben andere übernommen.
Und heute?
Heute ist es abwechslungsreicher. Ich behandle Flecken, bediene Maschinen, nehme Kleidung an und schaue genau, was mit einem Stück gemacht werden darf und was nicht. Bügeln gehört noch immer dazu, aber nicht mehr den ganzen Tag.
Kann man den Beruf klassisch lernen?
Ja, es gibt dafür eine Lehre. Ich selbst habe aber keine klassische Ausbildung gemacht. Ich habe alles in der Arbeit gelernt. Gerade am Anfang war das nicht leicht. Vor den Maschinen hatte ich Respekt. Wenn ich nach Hause gegangen bin, habe ich oft noch an die Maschinen gedacht.(lacht)
Was ist beim Fleckenentfernen das Wichtigste?
Zeit. Ein frischer Fleck ist immer leichter zu reinigen als ein alter, weil er sich noch nicht so in das Material gefressen hat.
Wie entfernt man Flecken professionell?
Wir arbeiten mit verschiedenen Mitteln, je nach Fleck. Es gibt nicht ein Mittel für alles. Zuerst wird vorbehandelt, dann nehmen wir ein spezielles Reinigungsmittel, das zum Beispiel für Rotwein, Kaffee oder Fett hergestellt wurde. Das machen wir händisch und sehr vorsichtig. Und weil man dafür auch Erfahrung braucht, gibt es das nicht im Supermarkt zu kaufen.
Was bringen die Leute am häufigsten?
Am häufigsten kommen Hemden und Anzüge. Je nach Saison natürlich auch Daunenjacken, Mäntel oder Abendkleider. Eigentlich bringen die Leute alles, was es in einem Kleiderschrank gibt.
Was haben Sie in Taschen schon alles gefunden?
Geld, Schmuck, Kondome – sogar schon Kokain. Deshalb schauen wir die Taschen sehr genau durch und geben die Sachen zurück. Nur das Kokain haben wir weggeschmissen.
Welches Material ist besonders heikel?
Seide ist schwierig, vor allem dunkle Seide. Da kann bei der Fleckbehandlung schnell eine helle Stelle entstehen. Da muss man genau wissen, welches Mittel man verwenden darf.
Was machen Kunden im Umgang mit Kleidung am häufigsten falsch?
Viele waschen etwas zu heiß, reiben an einem Fleck herum oder probieren irgendwelche Mittel aus. Wenn ein Stück vorher schon falsch behandelt worden ist, wird es für uns viel schwerer. Deshalb sage ich immer: Lieber gleich bringen.
Gibt es einen Haushaltstipp, wenn man es doch zuerst selbst probieren will?
Man kann vorsichtig mit Handseife arbeiten. Bei weißen Sachen hilft manchmal auch Fleckensalz. Aber man muss wirklich aufpassen. Nicht jeder Stoff verträgt das.
Woran erkennt man eine gute Textilreinigung?
An der Erfahrung, an den Bewertungen und auch daran, wie das Geschäft aussieht. Ist es sauber, wirkt es ordentlich? Und ich finde auch: Wenn jemand zehn Euro für eine Anzugreinigung verlangt, muss man sich fragen, wie ordentlich dort gearbeitet wird.
Wie viel verdienen Sie?
Ich komme auf rund 1.800 Euro netto im Monat. Damit bin ich zufrieden.
Kommen in Ihrer Familie inzwischen eigentlich alle mit ihrer dreckigen Kleidung zu Ihnen?
Natürlich. Alle wissen: Wenn jemand Flecken rausbekommt, dann ich. •
Zahlen und Daten
In Österreich gab es vergangenes Jahr 183 aktive Textilreinigungs-Betriebe.
20 Lehrlinge machten die Ausbildung zur Textilreinigerin.
Das AMS nennt ein Ein-stiegs-gehalt ab 1.940 Euro brutto, die WKO für 2026
KV-Stundenlöhne von 11,22 bis 11,87 Euro.
Quellen: WKO & AMS