›Wir müssen die Justiz resilient machen‹

Österreichs Gefängnisse sind überfüllt, Reformen kommen nur schleppend voran: Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) über Missstände im Strafvollzug, politische Widerstände – und darüber, wie die katholische Kirche sie zur Feministin machte.

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Fotografie:
Stefan Fürtbauer
DATUM Ausgabe Mai 2026

Die Wand im Büro von Anna Sporrer ist mit dunklem Holz vertäfelt. Zwischen Gesetzestexten und politischen Biografien steht, fast unscheinbar, ein Schmuckstück im Regal: der ikonische Kragen von Ruth Bader Ginsburg, der US-Höchstrichterin, die wie kaum eine andere für eine feministische Rechtsprechung stand. Ein Replikat – aber mehr als Dekor: Es ist ein Verweis auf eine juristische Tradition, die Recht nicht nur anwenden, sondern verändern will. 

Eine Haltung, die auch Sporrers Weg beschreibt. Die Juristin arbeitete in mehreren politischen Büros, war Beamtin im Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts, und zuletzt elf Jahre lang Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs, bevor sie im März 2025 ins Justizministerium wechselte. 

Als Anna Sporrer an diesem Vormittag ein paar Minuten zu spät zum Termin erscheint, kommt sie direkt aus einem Gespräch mit ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker. ›Wir sind ein gutes Stück weitergekommen‹, sagt sie. Es ging um ein zentrales Projekt ihrer Amtszeit: die Schaffung einer unabhängigen Bundesstaatsanwaltschaft, die die Justizministerin de facto entmachten würde. Doch wie diese Staatsanwaltschaft ausgestaltet sein soll, ist umkämpft. 

DATUM: Frau Sporrer, was hat Sie daran gereizt, mit Anfang sechzig in die Politik zu wechseln? 

Anna Sporrer: Um ehrlich zu sein, ist es einfach angestanden. Es war für mich die logische Konsequenz. Ich habe Jus nicht studiert, weil mich Rechtsfragen alleine so sehr interessiert haben, mein Antrieb war die Gesellschaftsveränderung. Schon vor 30 Jahren habe ich als junge Juristin im Büro der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal gearbeitet, später bei ihrer Nachfolgerin Helga Konrad, wo ich die Kampagne ›Ganze Männer machen halbe-halbe‹ rechtlich begleitet habe. 

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