Liebe Leserinnen und Leser!

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Illustration:
Blagovesta Bakardjieva
DATUM Ausgabe Juni 2026

Während ich diese Zeilen schreibe, erlebt Europa eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle. In Großbritannien und Frankreich berichten Wetterdienste von Temperaturen, die für den Monat Mai beispiellos sind: 32 Grad, 35 Grad, 37 Grad. Auch in Österreich werden Werte gemessen, die eher in den Hochsommer als in den Frühling passen, in manchen Regionen wurden neue ›Hitzerekorde‹ aufgestellt. Seltsam eigentlich, dass wir in diesem Zusammenhang von ›Rekorden‹ sprechen, als gäbe es dabei irgendetwas zu gewinnen. Als wären diese Temperaturen nicht die Folgen einer Krise, in der wir längst stecken – und zugleich die Vorboten einer Katastrophe, auf die wir immer schneller zusteuern.

Doch je heißer es wird, desto kälter scheinen uns diese Nachrichten zu lassen. Die Klima-Euphorie der späten 2010er-Jahre, als hunderttausende Menschen weltweit für den Umweltschutz auf die Straße gingen, ist längst verpufft. Obwohl die Folgen der Erderhitzung immer deutlicher spürbar werden, erleben wir einen regelrechten Klima-Backlash. US-Präsident Donald Trump hat kürzlich Treibhausgase für unproblematisch erklärt und damit die zentrale rechtliche Grundlage für Klimagesetze in den USA gekippt – und das in einem der weltweit größten Verursacherstaaten von Treibhausgasen. In Österreich warnt ein Bericht des Umweltbundesamtes, dass wir unser Klimaziel 2030 mit dem aktuellen politischen Kurs deutlich verfehlen werden. 

Dabei ist es nicht so, dass den Menschen das Thema egal wäre. Nach wie vor halten rund 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ­Klimaschutzmaßnahmen für wichtig. Doch wie widersprüchlich unser Verhältnis zur Klimakrise ist, zeigt eine aktuelle Erhebung im Auftrag des ­Finanzministeriums. Ausgerechnet jenes Milieu, das Klimaschutz laut Umfrage am wichtigsten findet, fliegt besonders häufig: das sogenannte progressive Kleinbürgertum. 

Die große Frage ist: Wie kommen wir aus der Verdrängung raus? Und was muss passieren, damit wir die Erderwärmung noch stoppen können? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns in einem Schwerpunkt in der aktuellen DATUM-Ausgabe. Der renommierte deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf skizziert in einem ausführlichen Gespräch den aktuellen Stand der Erderwärmung – und berichtet von neuen Klimamodellen, die selbst ihn erschreckt haben. 

Thomas Winkelmüller hat sich angesehen, wie sich die österreichische Klimabewegung gerade neu formiert. Eine zentrale Person spielt dabei ausgerechnet ein ehemaliger Autoimporteur aus Wien. Außerdem werfen wir einen Blick nach Graz, wo Ende Juni Gemeinderatswahlen stattfinden. Die Stadtregierung aus KPÖ, Grünen und SPÖ ist vor fünf Jahren mit einem ambitionierten Klimaplan angetreten – Paul Koren ist der Frage nachgegangen, ob sie ihre Versprechen gehalten hat. 

Für unser Cover haben wir eine Schrift verwendet, die selbst vom Klimawandel erzählt. Die ›Climate Crisis Font‹ wurde von der finnischen Zeitung ­Helsingin Sanomat entwickelt und macht den Rückgang des arktischen Meereises sichtbar: Als Grundlage dienen Daten des National Snow and Ice Data Center seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 sowie Prognosen des Weltklimarates IPCC bis 2050. Die fetteste Schriftvariante steht für das Jahr 1979; die dünnste für 2050, wenn laut Klima­modellen im Sommer nur noch rund 30 Prozent der arktischen Meereisfläche von 1979 übrig sein könnten. Das sollte uns nicht kalt lassen.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

Ihre Christina Pausackl

christina.pausackl@datum.at

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