›Mein einziger Wunsch ist es, aufzuwachen und nicht zu hören, dass wieder jemand hingerichtet wurde.‹

Irans Regime ist seit dem Krieg blutrünstiger denn je. Die Welt scheint das angesichts der angespannten Wirtschaftslage kaum zu kümmern. Gut, dass Mehrangiz Kar, Irans Grande Dame der Demokratiebewegung, sie daran erinnert.

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Illustration:
Aliaa Abou Khaddour
DATUM Ausgabe Juli/August 2026

Die Welt zerbricht sich den Kopf über die Straße von Hormuz und die steigenden Energiepreise infolge des US-israelischen Krieges gegen Iran. Die Menschen in Iran hingegen sind trotz der zunehmenden Repression und der steigenden Anzahl von Hinrichtungen in Vergessenheit geraten. Auf sie aufmerksam zu machen, hat sich die Menschenrechtsanwältin Mehrangiz Kar zur Lebensaufgabe gemacht. 22 Jahre hat sie als Anwältin in der Islamischen Republik gearbeitet, Kommentare geschrieben und sich mit einem Regime angelegt, das sie letztlich inhaftierte und folterte. Seit 24 Jahren lebt sie in den USA im Exil. Hier kommentiert und analysiert Kar mit ihren 81 Jahren weiterhin die Ereignisse in Iran und scheut sich – trotz Anfeindungen – nicht vor Kritik am Regime.

DATUM:  Mehrangiz Kar, welche Nachrichten aus Iran beunruhigen Sie derzeit am meisten? 

Mehrangiz Kar: Die vielen Hinrichtungen und die Menschen, die in den Gefängnissen zugrunde gehen. Von vielen kennen wir keine Namen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die veröffentlichten Zahlen der Hinrichtungen stimmen, es könnten viel mehr sein. Die Familien informieren uns nicht so oft wie früher, weil sie Angst haben, selbst in Gefahr zu geraten. Manche sagen: ›Wir haben schon ein Kind verloren, wir wollen nicht auch noch das andere verlieren.‹

Wie hat der Krieg Iran verändert?

Iran durchlebt derzeit eine der dunkelsten Phasen in der Geschichte der Islamischen Republik.  Dieser Krieg hat den Iranerinnen aus jeder Perspektive geschadet.  Tote Kinder, zerstörte Häuser und Schulen, drastische Preissteigerungen. Millionen haben ihre Jobs verloren, wie die Tausenden Arbeiter, deren Fabriken durch die Bombardierungen zerstört wurden und ebenso all jene, die ihren Lebensunterhalt online bestritten haben – vor allem Frauen – bevor die monatelange Internetblockade begann. Parallel dazu ist das Regime härter und brutaler geworden.  Es sagt ganz offen: ›Die Welt hat kein Recht, uns zu sagen, wir sollen nicht hinrichten.‹ Aber die Welt beschäftigt sich vor allem mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges. Ich hoffe nur, dass es nicht noch dunkler in Iran wird, denn das ist durchaus möglich. Sollte es erneut zu militärischen Angriffen kommen, werden die Menschen in Iran noch mehr verlieren.

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