Geht diese Gleichung auf?

Viele Staaten und Firmen gleichen Emissionen mit CO₂-Zertifikaten aus. Doch Studien zeigen, dass die meisten davon wenig bringen. Das Wiener Start-up Econetix will den Markt glaubwürdiger machen.

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Illustration:
Gary Neill
DATUM Ausgabe Juli/August 2026

Die Uhr an der Wand zeigt neun Minuten nach eins, die Lichter flackern. Darunter tragen fünf Menschen rote Metallstühle auf dem Rücken und drehen sich singend im Kreis. Eine von ihnen ist die Bulgarin Darina Yotova, die an diesem Abend mit dieser Performance den Eurovision Song Contest in Wien gewinnen wird. Während sie die Zeile ›Let me light you up‹ singt, blitzen dunkelblaue Scheinwerfer an der Decke auf. Dass sie mit LED-Technik betrieben werden, ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des ESC: Um Klima und Umwelt zu schonen, setzt der ORF heuer auf LEDs und Batterien statt auf herkömmliche Leuchtmittel und Dieselgeneratoren.

Zur Nachhaltigkeitsstrategie des ESC gehören aber nicht nur technische Maßnahmen in Wien. Sie führt auch Tausende Kilometer weiter in die Demokratische Republik Kongo. Dort sollen Solarlampen Häuser erhellen, die sonst wenig bis gar keinen Strom haben. Die Solarleuchten ersetzen Kerosinlampen, die deutlich klimaschädlicher sind, und sparen so CO2. Der ORF gleicht damit Emissionen aus, die der Songcontest verursacht hat und die sich vor Ort in Österreich nur schwer oder gar nicht vermeiden ließen. So zumindest das Argument. Genau hier beginnt aber auch das Problem.

Für viele Staaten und Unternehmen gelten CO2-Zertifikate als unverzichtbar, um Klimaziele in den kommenden Jahrzehnten überhaupt erreichen zu können. Gleichzeitig zweifeln Forscherinnen und Forscher daran, dass viele dieser Zertifikate tatsächlich halten, was sie versprechen.

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