Gerecht geteilt?
In Österreich erben immer weniger Menschen immer mehr. Warum zerbrechen daran so oft Familien? Und kann ein Erbstreit auch in einer Versöhnung enden?
Sabrina und Margot* sitzen mit ihren Kindern im Garten. Ungeschminkt, müde, aber glücklich. Es ist 1995, und seit die beiden Mütter geworden sind, verbringt Sabrina viel Zeit mit ihrer Schwägerin. Sie kümmern sich gemeinsam um ihre Kinder, kochen zusammen und treffen sich oft in Sabrinas Ferienwohnung in Tirol.
Als sie an diesem Tage im Garten sitzen und die Bergluft genießen, reden sie über die Zukunft. ›Wenn wir dann einmal Großmütter sind, werden wir auch wieder in Kitzbühel sitzen‹, sagt Sabrina zu Margot. ›Da lade ich dich wieder ein, nur sitz’ ma dann mit den Enkelkindern da.‹
Es ist ein Satz, an den sich Sabrina später mit Schmerz erinnern wird. Nur ahnt sie das damals nicht.
Sabrina ist zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren mit Margots zwei Jahre älterem Bruder Anton verheiratet. Margots Mann Wilhelm ist sein bester Freund. Sabrina und Anton leben in Wien, Margot und Wilhelm in einem Haus in Klosterneuburg. Sie besuchen einander oft, vor allem in Tirol. Fast jedes Jahr verbringen sie gemeinsam ihren Urlaub, fliegen nach Griechenland und Florida.
Als Wilhelm einen schweren Unfall hat, ruft Margot als erstes Sabrina und Anton an. Die beiden übernehmen wochenlang den Kinderdienst, damit Margot bei ihrem Mann im Krankenhaus sein kann. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Denn aus den zwei Familien war eine große geworden.
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