Schon mal Hund probiert?
Sie sind Begleiter, Statussymbol oder Nahrung: Wie wir den Wert von Tieren bestimmen.
Eine ältere Frau im traditionellen Gewand greift aus einem kleinen Rudel einen runden Welpen mit dichtem Fell. Sie steht vor einem Marktstand in Bac Ha, einem Dorf im Norden Vietnams, der neben Rennpferden und Wasserbüffeln auch Hunde zum Verkauf bietet. Die Frau steckt den Welpen in einen alten Reissack und hängt ihn an den Lenker ihres Motorrads. Ein paar Meter weiter, beim Stand eines Eisenwarenhändlers, kauft sie einen kleinen Käfig, der auf den Gepäckträger passt. Der Welpe wird umgeladen. Wir atmen auf. Vielleicht endet der Hund doch als Haustier – und nicht als Grillfleisch am Spieß.
Die Region Bac Ha ist stolz auf ihre eigene Hunderasse, den Bac-Ha-Hund. Gleichzeitig gehört der Verzehr von Hunden in Nordvietnam noch zu einer – wenn auch rückläufigen – kulinarischen Tradition. Nach einer Woche vor Ort glauben wir ein Muster zu erkennen: Wird ein Hund zusammen mit einem Käfig gekauft, stehen die Chancen gut, dass aus ihm sogar ein verhätschelter Schoßhund wird. Bleibt er im Sack, gilt er eher als Ware, wie Reis oder Bohnen. Und wie so ein Hund zubereitet wird, kann man auf offener Straße sehen: Er wird wie ein Spanferkel gegrillt, die Konturen noch gut erkennbar.
Wir, das sind Maria und Raoul und unsere beiden Kinder Mina (5) und Ilja (3). Anfang 2025 haben wir Wien für ein Jahr hinter uns gelassen und sind der Sonne gefolgt. Wir reisten von Sri Lanka über den Südpazifik nach Australien und schließlich nach Vietnam. Als wir auf dem Markt in Bac Ha stehen, sind wir schon elf Monate unterwegs und haben vom Hundespieß bis zum luxuriösen Hunde-Spa alles gesehen. Wir haben mehrere Adoptionsversuche der Kinder ausschlagen können und gleichzeitig gemerkt, wie sehr wir eines Tages einen Hund als Haustier besitzen möchten. Oder doch ein Schwein?
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