Land unter Strom

In der oberösterreichischen Gemeinde Kronstorf baut der US-Konzern Google ein gigantisches Rechenzentrum. Was als Standorterfolg gefeiert wird, sorgt vor Ort für Streit über Strom, Wasser und politische Mitsprache.

DATUM Ausgabe Juli/August 2026

Der Regen der vergangenen Wochen hat der Landschaft rund um Kronstorf gut­getan. Es ist Mitte Juni, die Blumenwiesen, Rapsfelder und Kukuruzäcker stehen im Saft. Linz ist eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt, ebenso der Stahlkonzern Voestalpine mit seinen drei Hochöfen. Noch werden sie mit Koks und Kohle befeuert. Ab dem kommenden Jahr weichen sie nach und nach Lichtbogenöfen, die viel Strom fressen. Die Leitungen dafür werden gerade ertüchtigt, erzählen Einheimische, wenn Besucher die Masten bemerken, die im unteren Ennstal aus den landwirtschaftlichen Flächen empor­ragen – manche davon imposante Ungetüme, die noch verkabelt werden müssen. Der Weizen und der Stahl, das Essen und die Arbeit gehören für die Menschen hier seit jeher zusammen. 

Deshalb war die Aufregung gering, als Mitte der 1990er-Jahre Strohmänner bei der Gemeinde Kronstorf wegen eines riesigen Gewerbegrunds anklopften.  Dorfbewohner rätselten zwar, wer so viel Fläche brauche – von 100 Hektar war die Rede, dann von 70. Aber das war es dann auch schon. So erzählt es eine pensionierte Lehrerin aus Kronstorf. Nun steht sie vor einem mit Kameras, Zäunen und Verbotsschildern verbarrikadierten Areal und deutet mit ausladender Geste Richtung Norden: ›Die Baustelle geht noch weit nach hinten. Sehr weit.‹ 

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