›Die neuen Klimamodelle haben mich wirklich erschreckt‹
Der deutsche Ozeanograf Stefan Rahmstorf forscht seit Jahrzehnten zur Klimakrise. Ein Gespräch über Warnungen, die ignoriert werden, drohende Kipppunkte und darüber, warum ihn Donald Trumps erste Wahl zum Weinen brachte.
DATUM: Herr Rahmstorf, die Folgen der Klimakrise werden immer offensichtlicher – und trotzdem treffen alle Warnungen auf taube Ohren. Wie erklären Sie sich, dass die Klimapolitik gerade so einen Backlash erlebt?
Stefan Rahmstorf: Ich forsche schon seit 35 Jahren zur Klimakrise und es gab immer diese Wellenbewegung. Man könnte natürlich sagen, wir hätten längst entschieden handeln müssen und können. Schließlich ist der erste Bericht des Weltklimarats von 1990. Und schon da stand drin, dass es sicher ist, dass die Treibhausgase eine Erderwärmung verursachen.
Und trotzdem steigen die CO₂-Emissionen auf globaler Ebene bis heute an.
Es ist einfach unbequem, bestimmte Verhaltensmuster ändern zu müssen, um eine Katastrophe zu vermeiden. Das hört niemand gerne. Die Menschen fühlen sich überfordert, manche verdrängen das lieber. Und bei der Politik bin ich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu dem Schluss gekommen, dass sie unter einem massiven Lobby-Einfluss der fossilen Energiewirtschaft steht. Das ist praktisch die reichste Industrie der Welt, die auch große Desinformationskampagnen fährt, um die Leute zu verwirren und um Zweifel zu wecken an der vom Menschen verschuldeten Erderwärmung.
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