Wer erzählt unsere Geschichte?
Die österreichische Regisseurin Nora Friedel über die Narrative, die Mädchen und Frauen prägen – und über das Begehren, sie neu zu erzählen.
Geboren werden
Die freudige Botschaft: ›Es wird ein Mädchen!‹ Noch bevor wir geboren sind, fluten Bilder die Gehirne – ein Mädchen! Wer stellt sich ein kluges, wortgewaltiges, mächtiges Mädchen vor? Und wer doch eher ein süßes, liebes, schönes Mädchen?
Ich wage zu behaupten, die meisten haben zweiteres im Kopf, in einem schönen Kleidchen. Das ist das vordringliche Bild, von dem uns erzählt wird. Mädchen, die einfühlsam sind, zuvorkommend, Verantwortung übernehmen, die eine ›angenehme‹ Erscheinung haben. Kaum jemand wird sich das werdende Mädchen als zukünftige Kriegerin vorstellen, die später einmal als Heldin mit ihren Waffen und Pferden begraben wird – oder? Natürlich gibt es die Mädchen, die nicht entsprechen, die nicht entsprechen wollen. Aber was bedeutet das für sie? Wie hoch ist der Preis?
Entsprechen wir den Erwartungen an die binäre Geschlechtszuschreibung und werden ein hübsches, liebes Mädchen, dann haben wir es erstmal leicht. Oder haben es die anderen leicht mit uns?
Wörter: 1993
Lesezeit: ~ 11 Minuten
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