Die Damen sind nicht fürs Feuer

In Salzburg führen erstmals zwei Frauen die Landespolitik und verweigern sich alten Klischees.

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Illustration:
Blagovesta Bakardjieva
DATUM Ausgabe Juli/August 2026

Zum ersten Mal in der Geschichte wird in ­Österreich ein Bundesland von zwei Politikerinnen regiert. Unwillkürlich kommt einem Christopher Frys Stück ›The Lady’s Not for Burning‹ aus dem Jahr 1948 in den Sinn: Die Dame ist nicht fürs Feuer. In dem Stück gelingt es der weiblichen Hauptfigur, dem Flammentod zu entkommen. Auch den beiden Hauptdarstellerinnen auf der Bühne der Salzburger Landes­politik, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) und ihrer Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ), ist es gelungen, im ersten Regierungsjahr politisch nicht verbrannt zu werden. Nicht einmal angesengt.

Offenbar hat sich das politisch und im persönlichen Auftreten so ungleiche Duo entweder stillschweigend oder ausdrücklich vorgenommen: Den ›Zickenkrieg‹, den vielleicht viele männliche Kollegen erwarten, liefern wir nicht. Eher ist der Beweis anzutreten, dass zwei Frauen in konkurrierenden Spitzenpositionen durchaus vernünftig, vielleicht sogar vernünftiger zusammenarbeiten können als Männer. So ist es der Spontan-Landeshauptfrau von Wilfried Haslauers Gnaden und ihrer für FPÖ-Verhältnisse sachlichen Stellvertreterin gelungen, das Land zu stabilisieren.

Das war durchaus nicht erwartbar, als Edt­stadler im Vorjahr ein drastisches Sparprogramm auf den Weg bringen wollte und damit einen Sturm der Entrüstung auslöste. So groß war der Druck, dass die ÖVP die geplante Streichung des Bonus aus Coronazeiten für das Pflegepersonal verschieben musste. Svazek widerstand der Versuchung, sich im Nachhinein zu distanzieren. Mehr noch: Sie trug die Entscheidungen und ihre Rücknahme mit. Kleinliches Hickhack, verdeckte gegenseitige Angriffe, Ausreden – all das ist in der Öffentlichkeit bis jetzt unterblieben.

Selbst in den sozialen Medien könnte man einen Paarlauf der beiden Politikerinnen erkennen. Das Match auf Facebook gewinnt mit 62.492 Followern Svazek vor Edtstadler mit 32.155. Auf Instagram wiederum werden die Unterschiede zwischen den beiden schon deutlicher: Edtstadler lässt sich in ihrem Büro Bälle für einen Schuss – ja wohin? – zuwerfen, bewirbt mit einem Red-Bull-Helm in der Hand die Flugshow des Konzerns in Salzburg oder lässt sich im Bauarbeiter-Outfit durch den Brenner-Basistunnel führen. Svazek lässt sich häufig in Trachtensakkos abbilden, stellt sich inmitten einer Gruppe von Feuerwehrmännern auf oder lässt einen Mann in ihrer Anwesenheit ein mildes Urteil gegen einen türkischen Drogentäter ›zum Kotzen‹ finden.

Das ruhige politische Klima in Salzburg dürfte auch an der für eine FPÖ-Politikerin untypischen Zurückhaltung liegen. Als Edtstadler als Vorsitzende des Kuratoriums der Salzburger Festspiele wegen undurchsichtiger Vorgänge rund um die Entlassung von Intendant Markus Hinterhäuser von mehreren Seiten in die Kritik geriet, ließ Svazek auch diese Gelegenheit aus, sich zu den Festspielen zu äußern. Zu jenen Festspielen, die ihr Parteiobmann Herbert Kickl 2024 als ›Inzestpartie‹ verunglimpft hatte. Ob damit auch das alte Vorurteil widerlegt ist, Frauen seien zu emotional für die Politik, wird spätestens der Wahlkampf 2028 zeigen. •

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