Das Brot, das es anderswo nicht gibt

Drei Jahre nach ihrer Vertreibung kämpfen Zehntausende Bergkarabach-Armenier mit Trauma, bürokratischen Hürden und Anfeindungen. Eine Rückkehr in ihre Heimat scheint kaum in Sicht.

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Fotografie:
Florian Bayer
DATUM Ausgabe Juli/August 2026

Das ›Mamik‹-Gästehaus liegt hoch über Jerewan, an einem Hang, von dem aus man an klaren Tagen den Berg Ararat sehen kann. Vanuhi Simonjan, 51 Jahre alt, führt an diesem Vormittag gerade eine Schulklasse durch die Räume. Kinder kneten Teig, es riecht nach Hefe und warmem Mehl. Ihre Kollegin Lusine Baljan bringt den Kindern bei, wie man den Teig richtig faltet, so wie sie es in ihrer Heimat Bergkarabach getan hat. Bei der armenischen Parlamentswahl wenige Tage später wird die 53-Jährige nicht mitstimmen können – dafür fehlt ihr der armenische Pass. 

Die Wahl bringt keine Überraschungen: Der proeuropäische Premierminister Nikol Paschinjan wird im Amt bestätigt, seine Zivilvertrag-Partei wird auch weiterhin allein regieren. Laut Umfragen war sein Sieg erwartet worden. Nicht, weil er besonders beliebt wäre, sondern weil die Opposition so unbeliebt ist. Dennoch schaute die EU gespannt zu: Es ging auch darum, ob die russlandnahen Kräfte an der Spitze der Opposition zulegen würden. Das war nicht der Fall, ist doch das Vertrauen in Russland seit 2023 tief erschüttert. Nachdem Armenien 2020 in einem sechswöchigen Krieg große Teile der zuvor kontrollierten Gebiete in Bergkarabach verlor, sollten russische Friedenstruppen die bestehenden Grenzen sichern. Doch als Aserbaidschan die Region erst monatelang blockierte und im September 2023 militärisch angriff, erwies sich diese Schutzgarantie als wertlos. In einer Blitzoffensive überrollten aserbaidschanische Truppen die armenische Enklave. Armenien leistete keine Gegenwehr, russische Friedenstruppen sahen zu. 

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