Watt dann?

Sie gleiten auf Holzbrettern durch den Schlick, graben Muscheln mit bloßen Händen und sie sind fast alle über siebzig Jahre alt. Das koreanische Wattenmeer soll geschützt werden. Doch wer bleibt, um es zu bewahren?

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Fotografie:
Noriko Hayashi
DATUM Ausgabe Mai 2026

Wenn Bong Yue Kim und Hyung Ja Park auf der Jagd sind, erinnert das an Kinder auf Skateboards, die sich mit einem Bein auf das Brett knien und mit dem anderen abstoßen. Doch die beiden rollen nicht über den Asphalt einer Straße, sie gleiten auf langen Holzbrettern über den Schlick des koreanischen Watts. Mit gleichmäßigen Stößen ziehen sie ihre Bahnen und halten nur kurz, um mit den Händen nach Herzmuscheln zu graben. Sie kennen die besten Stellen, an denen die Muscheln Kolonien bilden, und so sind die Körbe auf ihren Brettern bald voll. 

Ihr Gleiten über den Schlick sei ein immaterielles Kulturerbe, sagen koreanische Politiker, eine potentielle Touristenattraktion, die nur noch bekannt gemacht werden müsse. Sie seien Verbündete beim Schutz des Watts, sagen Umweltschützer, denn sie nutzten nachhaltige Fangmethoden. Sie sind alt, sagen die Frauen, alt und gerade auch ziemlich müde. Bong Yue Kim ist 76 Jahre alt, Hyung Ja Park 69. Die Frauen, die diese Technik des Muschelsammelns beherrschen, werden immer weniger. Nachwuchs gibt es kaum.   

Die Frauen leben auf Jangdo. Die Insel liegt in der Bucht von Suncheon im Süden Koreas. Vor der Küste verbinden sich die von Flüssen angespülten Sedimente mit dem Sand des Meeres zu besonders feinem Schlick. Wer ein paar Schritte weg vom Ufer macht, sinkt bis zu den Knien ein. In Jangdo sagen die Leute: ›Man geht mit zwei Beinen hinein und kommt mit vier Beinen wieder heraus.‹ Oder man nutzt eben ein Bbeolbae, einen Schlammschlitten, ein Brett aus Holz, so lang wie ein Surfboard, aber etwas schmaler.

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