Anschluss gesucht

Viele Jugendliche verbringen ihre Freizeit am Handy, weil ihnen Orte fehlen, an denen sie dazugehören. Wie große Digitalkonzerne das ausnutzen und ein Verein in Wien dagegenhält.

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Illustration:
Rosa Viktoria Ahlers
DATUM Ausgabe Juni 2026

Es ist ein Donnerstagnachmittag Ende April. In einer Erdgeschosswohnung in Wien-Brigittenau liegen Wasserfarben, Stifte und Bastelutensilien auf den Tischen. Ungefähr fünfzehn Kinder und Jugendliche sitzen in Grüppchen zusammen, hantieren mit Heißklebepistolen und zeichnen konzentriert Gesichter, Tiere und Actionfiguren aufs Papier. Eine Gruppe bedruckt ein Tuch mit selbstgemachten Kartoffelstempeln in Herzform, andere fädeln Perlen zu Ketten auf. Es fühlt sich ein bisschen wie Werkunterricht anno 1995 an: Hier gibt es keine Laptops, Tablets oder Smartphones – zumindest fast keine.

Die meisten der Kinder kommen jeden Donnerstag hierher, dann stehen in der Hobby Lobby im zwanzigsten Bezirk Kreativkurse auf dem Programm. Der Verein bietet kostenlose Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche an mehreren Standorten in Österreich an, hauptsächlich in Stadtteilen, in denen viele Familien leben, die sozial und wirtschaftlich benachteiligt sind.

Farah war vor ein paar Monaten das erste Mal hier, sie wohnt nur ein paar Häuserblocks entfernt. ›Ich wollte neue Freunde finden‹, sagt die 13-Jährige. Ihre Klassenkameradinnen seien alle ›toxic‹. Das Zeichnen hier helfe ihr auch, weniger Zeit am Handy zu verbringen. ›Dann scrolle ich nicht ständig auf Instagram‹, sagt sie. Anders als daheim. Das iPhone, das neben ihr auf dem Tisch liegt, verwende sie nur, um die Vorlage für ihr Bild abzuzeichnen: Das Mädchen mit Elfenohren und Blumen im Haar, das auf dem Display aufleuchtet, überträgt Farah akribisch auf Papier.

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