›Von einer Ratte gefressen zu werden, ist kein Spaß‹
Auf einer Galápagosinsel wurden alle eingeschleppten Tiere vergiftet, um eine Art der berühmten Darwinfinken zu retten. Warum machen Forscherinnen das? Und wie?
Rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, weit draußen im Pazifik, liegt die Galápagosinsel Floreana. Hier lebt der Mittlere Baumfink (lat. Camarhynchus pauper), eine Vogelart, die es weltweit nur an diesem Ort gibt. Doch sein Lebensraum wurde in den vergangenen Jahrzehnten stark bedroht, vor allem durch Tiere, die der Mensch eingeschleppt hat.
Zu seinem Schutz hat der Galápagos-Nationalpark nun zu einer drastischen Maßnahme gegriffen: Alle Ratten und Katzen auf der Insel wurden vergiftet. Eine der wissenschaftlichen Leiterinnen des Projekts ist die US-Österreicherin Sonia Kleindorfer. Die Ornithologin leitet die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau im Almtal in Oberösterreich und forscht seit 25 Jahren auf Galápagos. Das Interview findet via Video-Call statt, mit sieben Stunden Zeitverschiebung, bei ihr ist es gerade acht Uhr morgens.
Sie haben als Verhaltensbiologin schon am Neusiedler See und im australischen Busch Vögel beforscht, seit Langem sind Sie nun mehrere Wochen im Jahr auf Galápagos. Wie sieht dort Ihr Arbeitsplatz aus?
sonia kleindorfer: Die Insel, auf der wir arbeiten, heißt Floreana. Ich sitze hier in unserer Unterkunft bei Black Beach mit seinem schwarzen Lavasand. Wie alle Galápagos-Inseln ist Floreana vulkanischen Ursprungs. 1835 ist Charles Darwin hier gelandet. Seekrank wie er war, stieg er aus dem Boot und folgte dem kleinen Eselspfad die Küste herauf. Typisch für die Insel ist im Hochland ein Wald aus Scalesia-Bäumen, eine Art aus der Familie der Korbblütler, zu der auch die Gänseblümchen gehören. Dieser Baum ist das Zuhause der Baumfinken, die ich studiere. Wenn man einen Scalesia-Baum nur anfasst, fällt er um, so fragil ist er.
Wie ist das Klima auf Galápagos?
Es gibt die kühle Garúa-Jahreszeit, etwa von Juli bis September, häufig mit feuchtem Nieselregen. Jetzt erleben wir aber die heiße Jahreszeit, in der es kaum regnet – da sind auch zwei Jahre Dürre ohne einen Tropfen Wasser möglich. Aber wenn es dann regnet, wie vor ein paar Wochen, dann geht’s: Boom! Und alles ist üppig grün. Kleine Scalesia-Bäume wachsen dann in zwei Wochen einen Meter! Es ist unfassbar. Ich liebe Galápagos, weil man hier so spürt, dass das Leben gewinnt. Gegen alle Widrigkeiten entsteht immer und immer wieder Leben.
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