Beinharte Bildungslücken
Warum ich nur das ›Trivial Pursuit‹ der 1980er-Jahre spiele.
Als Kind habe ich mich vor Trivial Pursuit immer ein bisschen gefürchtet. Bei vielen anderen Brettspielen konnte ich mit den Erwachsenen mithalten, aber bei dem Wissensspiel mit den kleinen bunten Ecken hatte ich nicht den Hauch einer Chance. Ich weiß noch, dass mir völlig unbegreiflich war, wie ein Mensch all diese Namen, Daten und Fakten in seinem Gehirn verstauen soll.
Inzwischen bin ich längst erwachsen, und was soll ich sagen: Ich weiß das meiste davon immer noch nicht!
Vielleicht liegt das auch daran, dass meine Frau und ich mit unserer Teenager-Tochter nach wie vor die Edition mit Fragen aus den späten 1980er-Jahren spielen. In unserer Trivial-Pursuit-Welt hat der Ostblock noch Bestand, und Milli Vanilli sind der neue heiße Pop-Scheiß. Das erzeugt nostalgische Gefühle und passt auch gut zu dem bildungsbeflissenen Retro-Chic, den das Spielmaterial verströmt.
Zeitlose Fragen gibt es natürlich trotzdem, zum Beispiel: ›Leidet die österreichische Bevölkerung im Durchschnitt eher an Unter- oder Übergewicht?‹ Zu einer Zeit, in der diese Frage noch anders als heute zu beantworten gewesen wäre, gab es das Spiel noch gar nicht. Trivial Pursuit ist nämlich gar nicht so alt, wie sein Klassiker-Status vermuten lässt, erst 1979 wurde es von zwei kanadischen Journalisten erfunden. Nach anfänglichem Misserfolg verkaufte es sich dann recht rasch zig Millionen Mal, bei den aktuellen Ausgaben dominieren allerdings Schätz- und Ja/Nein-Fragen – offenbar ein fehlgeleiteter Versuch, der den Spielsinn eher aufhebt, die Gewinnchancen zwischen Wissern und Nicht-Wissern ›gerechter‹ zu verteilen.
Sowas kommt mir freilich nicht ins Haus, ich will beinhart mit meinen Bildungslücken konfrontiert werden, um dann selektiv zu glänzen. Zum Beispiel bei der Frage: ›In welchem Wettbewerb außer den Laufbewerben gewann Carl Lewis 1984 eine olympische Goldmedaille?‹ ›Im Weitsprung!‹, antworte ich wie aus der Pistole geschossen, Frau und Kind staunen. Wie hieß es doch bei Loriot: Komisch, für solche Dinge habe ich ein Gedächtnis … •
Spiel: Trivial Pursuit · Erfinder: Scott Abbott, Chris Haney · Verlag: Hasbro