Wie es ist … für das ÖFB-Nationalteam zu kochen
Vor 15 Jahren hat in unserem Gasthaus das Telefon geläutet. Mittags am Wochenende in der Hochsaison, super Timing also. Die Person am anderen Ende sagte, sie sei vom ÖFB und fragte, ob ich in zwei Wochen als Koch zur U20-Weltmeisterschaft nach Kolumbien mitfliegen könnte. Also habe ich aufgelegt – ich dachte, jemand will mich verarschen. Nach einem zweiten Anruf hat sich herausgestellt, dass der damalige Koch einen schweren Unfall hatte und ich einspringen sollte. So hat meine Karriere beim ÖFB begonnen. Und seit zehn Jahren koche ich auch für das A-Nationalteam.
Wenn ich jetzt mit den Burschen unterwegs bin, beginnt ein normaler Tag für mich um halb sieben. Frühstück gibt es von halb neun bis halb elf. Als Buffet gibt es Eiergerichte, Porridge, Müsli, Joghurt, Obst, Avocado-Brote. Irgendwelche Extrawünsche hat keiner, die Auswahl ist immer groß genug. Und die Spieler sind extrem diszipliniert. Die wissen genau, was ihr Körper braucht. Verbieten müssen wir da nichts.
Mittags und abends gibt es Salatbuffet, Suppe, Fisch, Fleisch, Pasta, Reis, Erdäpfel und so weiter. Wichtig ist, dass es ihnen schmeckt. Viele glauben, Fußballer essen nur Filetsteak und irgendwelche Superfoods. Aber das stimmt nicht. Es bringt ja nichts, wenn ich etwas hinstelle, das ernährungstechnisch super ist, aber es keiner isst. Manchmal mache ich deshalb Süßkartoffelpommes im Ofen oder einen Dürüm mit Joghurt-Minze-Sauce statt Mayo. Mit gutem Fleisch und wenig Fett. Einen Tag vor dem Spiel stelle ich ihnen natürlich keinen Schweinsbraten hin. Aber David Alaba zum Beispiel liebt Schinkenfleckerl. Schnitzel mögen sie auch alle. In der Hinsicht sind es ganz normale Leute.
Genau deshalb mache ich den Job so gern. Das Nationalteam ist für mich wie eine zweite Familie geworden. Wir telefonieren privat, ich bin zu Hochzeiten oder Geburtstagen eingeladen.
Bei der Weltmeisterschaft in Amerika werden die Burschen und ich wieder viel Zeit miteinander verbringen. Unser Basecamp haben wir in Santa Barbara. Es geht jetzt schon ein Container mit Essen aus Österreich hinüber. Fleisch und Fisch kann man nicht mitnehmen, aber andere Sachen schon: Kümmel zum Beispiel, weil die dort oft nur Kreuzkümmel haben, und damit würden die Krautfleckerl sicher fürchterlich schmecken. Topfen ist auch ein Thema, den gibt es kaum außerhalb von Mitteleuropa. Mehl nehmen wir auch mit. Wir versuchen gerade, ein ordentliches Schwarzbrot von einer Vorarlberger Bäckerei in L.A. zu bekommen.
Nur einmal dachte ich, dass wirklich etwas Gröberes schiefgelaufen ist. Ganz am Anfang, als ich in Kolumbien das erste Mal für den ÖFB kochte, bekam die halbe Mannschaft heftige Magen-Darm-Probleme. Ich war überzeugt, ich habe die Mannschaft vergiftet. Obwohl ich alles zehnmal kontrolliert, Salat und Gemüse mit Mineralwasser gewaschen habe. Später kam unser Arzt zu mir und sagte: ›Fritzi, es ist nicht deine Schuld.‹ Anscheinend ging eine Krankheit um.
Am schönsten sind die Abende nach einem Spiel. Wenn die Anspannung langsam weg ist, sitzen wir oft bei mir im Zimmer zusammen und karteln. Dann koch ich manchmal noch Wild-Käsekrainer mit Bergkäse drinnen und Fleisch von daheim. Meistens um elf in der Nacht. Darauf freu ich mich jetzt schon. •