›Es kommt nicht auf die Größe an‹
Name: Jovana R., 32
Beruf: Türsteherin in Wien
Sie haben früher als Büroangestellte gearbeitet und stehen heute vor Clubs. Warum?
Ich hatte einfach keine Lust mehr auf die monotone Arbeit und wollte etwas Neues ausprobieren. Dann habe ich ein Jobangebot als Türsteherin gesehen und mir gedacht: Warum eigentlich nicht?
Wie war es, das erste Mal vor der Tür zu stehen?
Das war eine Art Schnupperdienst, damals auf der Kaiser-Wiesn beim Oktoberfest im Wiener Prater. Aus dem Büro kommend kannte ich solche Menschenmengen gar nicht. Aber ich habe mir damals direkt gedacht: Geil, würde ich wieder machen.
Wie läuft ein typischer Clubdienst ab?
Ich arbeite zum Beispiel im Loft, der Grellen Forelle oder in der Praterstraße. Wir treffen uns meistens eine halbe Stunde vor der Öffnung im Club und checken, ob alles bereit ist. Jeder hat Funkgeräte, jeder muss immer erreichbar sein. Manche übernehmen den Einlass, andere Backstage oder den Dancefloor.
Worauf achten Sie an der Tür?
Dass keiner Taschenmesser, Pfeffersprays mithat oder Eddings in der Tasche sind, damit drinnen nichts beschmiert wird. Oft finde ich auch Drogen wie Gras oder Koks.
Was machen Sie, wenn Sie Drogen finden?
Ich sage den Leuten, sie sollen sie entsorgen. Ich will damit nichts zu tun haben. Sie können es draußen verstecken, zu Hause lassen, aber rein kommen sie damit nicht. Wenn sie später wiederkommen und nur so tun, als hätten sie nichts mehr dabei, war es das. Ich werde nicht gern verarscht.
Können Sie verhindern, dass Leute etwas reinschmuggeln?
Nein. Ich kann ja nicht in die Unterhose schauen.
Woran merken Sie, dass jemand Stress machen wird?
An der Attitude. Wir betreuen viele LGBTIQ+-Events. Da merke ich oft schon am Aussehen einer Männergruppe: Die sind nicht da, um Spaß zu haben.
Wie entscheiden Sie, wer reinkommt?
Ich rede kurz mit den Leuten und achte darauf, ob sie lallen oder komplett drüber sind. Manchmal sage ich: Geh noch kurz ein Würstel essen, was trinken und komm später wieder.
Wie reagieren Leute, wenn sie nicht reindürfen?
Manche beschimpfen mich. Gerade als Frau kommen Kommentare wie: ›Was willst du mir sagen?‹ Im Notfall habe ich deshalb immer einen männlichen Kollegen bei mir. Aber ich versuche generell, alle Situationen mit Charme zu lösen.
Das Klischee vom zwei Meter großen Schrank, der gleich draufhaut, stimmt also nicht?
Nein, es kommt nicht auf die Größe an. Gute Nerven und Kommunikation sind wichtiger.
Was sind die häufigsten Gründe, warum Leute rausfliegen?
Zu viel Alkohol, Drogen oder Grabschen. Wenn jemand anderen die Party ruiniert, ist Schluss. Wir machen deshalb laufend Schulungen zu Themen wie Awareness, Drogen und so weiter, um sowas schnell zu beenden.
Sind Sie schon mal selbst aus einem Club geflogen?
An meinem 18. Geburtstag bin ich aus dem Club geflogen, weil ich betrunken auf dem Tisch getanzt habe. Als Security würde ich die Person heute einfach runterholen und nicht gleich rauswerfen.
Hilft es als Gast, die Türsteherin zu kennen?
Nein. Für alle gelten dieselben Regeln. Ist mir egal, ob ich dich kenne oder nicht.
Wann endet Ihre Schicht?
Meistens um sechs Uhr früh. Dann räumen wir den Club, schauen, dass niemand irgendwo eingeschlafen ist, und trinken ein Bier, bevor wir heimgehen.
Wie viel verdienen Sie?
Das ist unterschiedlich. Ich mache Teilzeit, meistens drei Dienste pro Woche und komme so auf 1.800 brutto, wobei meistens noch Nachtzuschläge oder Bonusse für Feiertage, Dienste im Sakko oder
Teamleiterdienste dazukommen. Vollzeit käme ich auf 2.400 brutto, ohne 13. und 14. Gehalt.
Wie lang kann man den Beruf machen?
Nicht ewig. Ich stehe oft zehn Stunden am Stück. Nach meinem ersten Dienst haben mich meine Füße umgebracht. Aber irgendwann gewöhnt man sich daran. Mittlerweile trage ich im Sommer bequeme Schuhe und nicht die dicken Stiefel.
Zahlen und Daten
In Österreich gibt es rund 590 aktive Bewachungsunternehmen. Es handelt sich um ein reglementiertes Gewerbe. In der Branche arbeiten jährlich etwa 12.700 Menschen, mit kurzfristigen Veranstaltungskräften bis zu 16.000. Sicherheitskräfte müssen 18 Jahre alt sein und einen einwandfreien Leumund haben.
Quellen: Arbeiterkammer & Wirtschaftskammer