Stadt der Zelte
Der Krieg zwischen Israel und Hisbollah vertreibt Millionen Libanesen aus ihren Dörfern. Viele von ihnen suchen in Beirut Zuflucht. Der Konflikt legt auch die religiösen Bruchlinien offen, die das Land seit Jahrzehnten prägen.
Unter ihr der Asphalt des Parkplatzes, hinter ihr die honiggelb erleuchteten Panoramafenster der Luxusapartments und 5-Sterne Hotels: Downtown Beirut. Fassaden aus Glas und Reichtum reihen sich hier aneinander, im hereinbrechenden Abend flackern die Lichter der Wohnungen auf wie versprengte Sterne.
Auf Alaa Fahes wirken sie beruhigend. Aber auch unerreichbar. Fahes Welt besteht aus Plastik. Aus den dünnen Wänden ihrer zwei Zelte, aus angelaufenen Schaumstoffmatratzen, die sie auf das Sperrmüll-Sofa gelegt hat, aus blauen Planen, die ihr Himmel sind.
Seit sieben Tagen verrinnt unter diesem selbst gezimmerten Sonnen- und Windschutz ihre Zeit, hier sitzt sie stundenlang mit ihrer Familie: zwei kleine Kinder, Ehemann, Cousins. Aber auch mit weiteren Geflüchteten aus dem Süden Libanons.
Fahes nippt Kaffee aus einem braunen Plastikbecher und raucht. Kette. Das Reden und Rauchen, sagt sie, bis spät in die Nacht, würden ihr helfen. Nicht, um zu vergessen. Sondern um nicht immer zu denken: an ihr zerstörtes Haus, an ihr zerstörtes Dorf Qabrikha, wenige Kilometer vor der Grenze zu Israel, an ihre zerstörte Zukunft. Denn nachts, im Zelt, wenn die Kinder eingeschlafen sind, kommen die Träume. Und damit die Angst.
Wörter: 2155
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