Einer von uns?
Marko Arnautović hat es vom rüpelhaften Jungen zu Österreichs erfolgreichstem Nationalspieler gebracht. Hierzulande wird er geliebt – und gehasst. Was sagt das über ihn? Und was über das Land?
Marko Arnautović wirkt wütend. Sein Sprechtempo ist schnell, sein Blick ernst. Der 37-Jährige sitzt im Wohnzimmer seines Hauses in Serbien, wo er seit vergangenem Sommer für Roter Stern Belgrad spielt. Er hat an einem gläsernen Tisch Platz genommen, durch große Fenster sieht man hinaus in den Garten. So einen Einblick in sein Leben hat Arnautović lange nicht mehr zugelassen.
Große Exklusiv-Interviews meidet er in der Regel, auch eine Anfrage von DATUM blieb unbeantwortet. Der mit Abstand schillerndste Fußballer des Landes beschränkt sich seit Jahren auf kurze Wortmeldungen rund um Länderspiele. Journalisten, sagte er einmal, habe er lange ›als richtige Feinde‹ gesehen. Aber nun sitzt er da, nur wenige Wochen vor der Fußballweltmeisterschaft, die Arnautovićs letzter großer Auftritt im Nationalteam sein wird. Ihm gegenüber hat Julia Kienast Platz genommen, die Nationalteam-Reporterin des Fernsehsenders und ÖFB-Medienpartners ServusTV, die er lange kennt und der er vertraut. Und auf einmal bricht es aus ihm heraus.
›Ich wurde immer ins Negative gezogen‹, sagt er. ›Alle haben nur darauf gewartet, dass Arnautović einen Fehler macht – überhaupt in Österreich.‹ Dann fixiert er die Kamera, schiebt die Augenbrauen hoch und schnauft: ›An alle Zuschauer: Ihr könnt schreiben, was ihr wollt! Ich lese es nicht und es interessiert mich nicht!‹
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