Nicht mehr sein Problem
Menschen mit Miniportionen Gift zu heilen, war eines der Credos des bahnbrechenden deutschen Performance-Künstlers, Theater- und Filmregisseurs Christoph Schlingensief (1960-2010). Die Ausstellung ›Es ist nicht mehr mein Problem!‹ zeigt nun eine Auswahl seines vielfältigen Werks, das sich immer auf aktuelle politische Themen bezog und breite mediale Aufmerksamkeit erfuhr. Da war etwa der Aufruf an sechs Millionen deutsche Arbeitslose, gleichzeitig im Wolfgangsee baden zu gehen, um das Ferienhaus des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zu fluten.
Oder, parallel zur Reality-TV-Show Big Brother und der ersten ÖVP-FPÖ-Bundesregierung, ein Container vor der Wiener Oper, in dem Asylwerbende rund um die Uhr gefilmt und per Online-Voting nicht nur aus der Liveshow, sondern gleich aus dem Land hinaus gevotet werden sollten. Unter dem Motto ›Bitte liebt Österreich – Erste Österreichische Koalitionswoche‹ exerzierte Schlingensief Abschiebebegierden praktisch durch und erntete enormen Protest. Auch seine Hamlet-Inszenierung in Zürich, in der ausstiegswillige Neonazis nicht etwa, wie in Aussteigerprogrammen üblich, anonym verschwanden, sondern sich öffentlich für ihre Ideologie rechtfertigen sollten, wurde kontrovers diskutiert.
Zwar spiegelt die Ausstellung in ihrer eher nüchternen Aufmachung die Originalität Schlingensiefs nicht. Als Erinnerung daran, wie direkt, unbequem und politisch Kunst sein kann, ist sie aber unbedingt sehenswert.
›Christoph Schlingensief.
Es ist nicht mehr mein Problem!‹
MAK in Kooperation mit den
Wiener Festwochen, bis 13.9.2026