›Zum Radfahren braucht man Mut‹

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Fotografie:
Ursula Röck
DATUM Ausgabe April 2026

Name: Leo Ebenspanger, 27

Beruf: Fahrradlehrer

Wie sind Sie heute in die Arbeit gekommen?

Mit dem Rad, natürlich. Ich komme eigentlich immer mit dem Fahrrad. Manchmal müssen wir mit unseren Gruppen auch in den Verkehr fahren, da brauchen wir sowieso ein Rad.

Wie wird man Fahrradlehrer?

Ich habe die Stelle in der Facebook-Gruppe ›Radfahren in Wien‹ gesehen. Das hat mich sofort angesprochen. Fahrradfahren zum Beruf machen zu können, klang ziemlich cool. Ich hatte vorher schon pädagogisch gearbeitet, das klang nach einer guten Möglichkeit, meine Leidenschaft für das Fahrradfahren und die Arbeit mit Kindern zu vereinen.

Machen Sie das hauptberuflich?

Ich studiere Soziale Arbeit und arbeite fünfzehn Stunden pro Woche als Lehrer bei der Fahrschule ›FahrSicherRad‹ in Wien. Manche Kolleginnen machen das hauptberuflich, wir sind aber alle nur saisonal angestellt, von April bis Ende Oktober.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Die meisten Kurse finden am Radmotorikplatz Kaisermühlen in Wien statt. Volksschulklassen kommen vorbei, meist dritte oder vierte Klassen, und wir machen zweistündige Workshops. Es geht darum, den Kindern zu zeigen, dass Radfahren Spaß macht und das Rad ein normales Verkehrsmittel sein kann.
Mit den vierten Klassen fahren wir gemeinsam in den Verkehr und üben echte Verkehrssituationen.

Was ist das Anstrengendste an Ihrem Job?

Die Stimme nicht zu verlieren, wenn man drei Kurse hintereinander hält. Und dass wir bei jedem Wetter draußen arbeiten. Manchmal muss man auch schauen, dass sich die Lehrpersonen nicht zu sehr einmischen.

Womit tun sich Kinder beim Radfahren am schwersten?

Links abbiegen im Verkehr. Man muss auf mehrere Richtungen gleichzeitig achten, Schulterblick machen und ein Handzeichen geben. Das überfordert viele am Anfang. Und manchmal spielen wir Fahrradlimbo. Das ist auch eine Challenge. 

Brauchen auch Erwachsene Radkurse?

Ja, einige. Die Infrastruktur in Wien ist noch nicht so ausgebaut, dass sich wirklich alle sicher fühlen. Deshalb bieten wir Kurse für Erwachsene an, die länger nicht mehr im Verkehr gefahren sind.

Was würde im Straßenverkehr helfen?

Viele Autofahrer wissen gar nicht genau, welche Regeln für Fahrräder gelten. In einer 30er-Zone darf man zum Beispiel nebeneinander fahren, trotzdem wird man oft angehupt. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn man im Rahmen des Führerscheins einmal selbst mit dem Fahrrad im Verkehr fahren müsste.

Was bräuchte es, damit mehr Menschen in Wien Rad fahren?

Vor allem sichere Infrastruktur, also wirklich getrennte Radwege. Und wahrscheinlich müsste auch der Autoverkehr in den Grätzeln reduziert werden. Zum Radfahren in Wien braucht man Mut – und man muss die Wege kennen, die gut zum Fahren geeignet sind. 

Wie erleben Sie das Verhältnis zwischen Radfahrenden und Autofahrenden?

Die Stimmung ist manchmal ziemlich aufgeheizt. Ich versuche Strecken zu fahren, bei denen es weniger Konflikte gibt. Viele Situationen sind gefährlich, und man hat oft das Gefühl, dass Autofahrer das nicht verstehen.

Wie viel verdient man als Fahrradlehrer?

Zwanzig Euro brutto pro Stunde. Ich komme auf ungefähr tausend Euro im Monat.

Und wie viel davon steckt in Ihrem Fahrrad?

Einige Monatsgehälter. Ich habe mir vergangenes Jahr eines selbst zusammengebaut, mit neuen und gebrauchten Teilen.

Was für ein Rad ist das?

Ein Gravelbike. Damit kann ich alles machen – durch den Wald fahren oder längere Touren. Für die Arbeit habe ich noch ein zweites Rad. Ich bin also ein ziemlicher Fahrradnerd.  •

Zahlen und Daten

Jährlich nehmen in Wien rund 7.000 Kinder an Fahrradkursen teil. 

2024 wurden an 17 Zählstellen rund 11,4 Millionen Radfahrten registriert, das ist ein Anstieg von 40 Prozent im Vergleich zu 2018. 

Das Wiener Radverkehrsnetz umfasst rund 1.800 Kilometer

Im selben Jahr wurden über 1.200 Radfahrende bei Verkehrsunfällen verletzt. Österreichweit gab es rund 10.000 Straßenverkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung.

Quelle: Stadt Wien, Statistik Austria

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