Unter Putins Dach
Seit 2023 lebt die ehemalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl in Russland und verbreitet dort die Propaganda des Kreml. Wer hat ihr dieses neue Leben ermöglicht?
Am 9. Mai des Vorjahres steht Karin Kneissl vor einem russischen Kriegerdenkmal. Die Bewohner des kleinen Dorfes Giblitsy haben große Sträuße aus Tulpen und Rosen davor niedergelegt. Sogar einen Sowjetstern aus weiß-rot-blauen Kunstblumen haben sie aufgestellt. Er ist höher als der Bub, der daneben in einer Uniform der Roten Armee posiert.
Wie überall in Russland feiern auch die Menschen hier am Land, ein paar hundert Kilometer südöstlich von Moskau, an diesem Tag den Sieg über Nazi-Deutschland im ›Großen Vaterländischen Krieg‹ vor 80 Jahren. Danach posieren einige noch für ein Gruppenfoto vor dem Kriegerdenkmal. Und mittendrin steht Karin Kneissl – die ehemalige Außenministerin Österreichs.
Kneissl lebt heute in diesem Dorf in der russischen Provinz. Gleich hinter dem Kriegerdenkmal wohnt sie in einem kompakten, grünen Holzhaus mit Veranda. Mittlerweile hat sie sogar ein Grundstück dazugekauft. Darauf stehen ein Stall und ein Gehege für ihre Zwergponys: Sumsum und Daphne.
Die beiden Tiere haben im September 2023 internationale Bekanntheit erlangt. Als Kneissl umzog, hatte eine russische Militärmaschine vom Typ Iljuschin, die normalerweise Panzer und Soldaten transportiert, die Ponys nach Russland geflogen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Karin Kneissl, die 2017 auf einem Ticket der FPÖ in die erste Bundesregierung von Sebastian Kurz einzog, hat die Seiten gewechselt.
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