Die Macht der Lüge

Der Rechtsextremist Jair Bolsonaro spaltet die Brasilianer – selbst jene, die nicht mehr im Land leben. Zwei in Wien lebende Gegner des Präsiden­ten über den polarisierenden Wahlkampf vor zwei Jahren und die Lehren, die sie heute daraus ziehen.

DATUM Ausgabe November 2020

Juli 2020

Am Strand in Kroatien bemerken wir neben uns eine Brasilianerin, die einen Sohn im Alter unseres Sohnes hat. Früher hätten wir sofort den Kontakt -gesucht. Doch was, wenn sie Bolsonaro-Anhängerin ist ? Die Chancen stehen über 50 Prozent, und wir wollen uns den Urlaubstag nicht vermiesen.

Wir, das sind ein Österreicher und eine Brasilianerin, die sich 2005 in Rio kennengelernt haben und 2007 gemeinsam nach Wien gezogen sind. Immer dann, wenn uns Österreich zu kühl, zu unfreundlich und zu reaktionär erschien, trösteten wir uns damit, dass wir ja irgendwann zurück nach Brasilien können. Mit der Wahl des Rechtsaußen-Präsidenten vor zwei Jahren hat zumindest das letzte Motiv einen deutlichen Dämpfer erhalten. Und auch die Beziehung zu Leuten in unserem Umfeld, die ihn gewählt haben.

Mai 2017

Bei den Wiener Festwochen spricht die brasilianische Indigenenführerin Sônia Guajajara über die prekäre Lage ihres Volkes angesichts der Tatsache, dass nach 13 Jahren Regierung der Arbeiterpartei PT die politischen Vertreter der Agrarindustrie wieder die Macht übernommen haben : In einem Amtsenthebungsverfahren war es der Rechten gelungen, Präsidentin Dilma Rousseff zu stürzen und eine Übergangsregierung zu installieren. Die Oligarchie des Landes und ihre Medienkonzerne hatten es geschafft, die Präsidentin für einen Korruptionsskandal verantwortlich zu machen, in den gut die Hälfte aller Kongressmitglieder verwickelt und an dessen Aufklärung sie selbst aktiv beteiligt gewesen war. 

Am nächsten Abend trifft sich eine kleine Runde mit Sônia Guajajara in unserer Wohnung. Wir singen gemeinsam – und plaudern natürlich über die Entwicklungen in Brasilien. Die PT und allen voran ihr erster Präsident, der Arbeiterführer Luiz Inácio Lula da Silva, darüber sind wir uns einig, hat in dem Riesenland viel erreicht : Rund ein Viertel der 200-Millionen-Bevölkerung aus der Armut geholt, ihnen Zugang zu Bildung und höheren Mindestlöhnen verschafft und wichtige soziale Reformen in die Wege geleitet.

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