Die Mühen der Ebene

Die Gemeinde Wiesen im Burgenland hat der Landschaft eine Skipiste abgerungen. Letzten Winter war es zu warm zum Fahren, trotzdem hat der Skiclub heuer eine neue Talstation gebaut. Besuch bei den Fitzcarraldos Ostösterreichs.

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Illustration:
Alexandra Turban
DATUM Ausgabe Dezember 2020

Wenn zu Weihnachten bei den meisten Menschen langsam Ruhe einkehrt, wird Lukas Weghofer immer nervöser. Jedes Jahr sei es gleich, erzählt er, › vor Weihnachten beginnt das Zittern ‹. Weghofer meint das Wetter. Er braucht frostige Temperaturen, denn der junge Mann, blonde Haare, kantiges Gesicht, ist der Präsident des Skiklubs Wiesen im Burgenland.

Mitten zwischen Einfamilienhäusern liegt in der Gemeinde Wiesen im Bezirk Mattersburg eine Skiwiese, 300 Meter lang, von einem Schlepplift flankiert. Nur durch Schneekanonen kann Weghofer hier eine Skisaison ermöglichen, darum benötigt er Minusgrade. In der Regel kann man im Jänner die Piste eröffnen, die hält dann drei bis vier Wochen. › Wir haben bis jetzt immer eine Saison zusammengebracht ‹, sagt Weghofer, der erst 24 Jahre alt ist, › außer halt im letzten Winter. ‹ Da war es zu warm.

Trotzdem baut der Skiklub Wiesen seit Juni eine neue Liftstation. Freiwillige wie Weghofer arbeiten an den Wochenenden an der neuen Talstation, einem zweistöckigen Haus aus Lärchenholz. Der Rohbau steht schon. Die Vision des Skiklubs ist noch dieselbe wie bei der Gründung im Jahr 1976 : Die Kinder aus Wiesen und den Nachbargemeinden sollen hier Skifahren lernen.

Der junge Präsident verdingt sich im Brotberuf als Gemeindearbeiter. In blauer Arbeitskluft sitzt Weghofer in der Skihütte, Schnapsflaschen und ein aus-
gestopftes Murmeltier verströmen alpines Flair, zumindest ein bisschen. Schon Weghofers Großmutter arbeitete hier als Wirtin, bekannt als die › Hütten-Resi ‹.

› Natürlich, wenn man daheim sitzt und nachdenkt, kommt man schon auf die Idee, dass es irgendwann nicht mehr geht ‹, sagt Weghofer über das Klima. Dann brauche man wohl mehr Projekte im Sommer, sagt er und klopft dreimal auf den Holztisch, dass es nicht so weit kommen möge. Draußen stehen zwei Vereinskollegen oben auf der neuen Liftstation und flämmen mit einem Gasbrenner das Dach, um es dicht zu machen. Sie tragen dabei nur T-Shirts. Es hat an diesem Freitag in Wiesen 14 Grad – zwei Tage vor Allerheiligen.

In der Skihütte kann man auch in der Chronik des Skiklubs Wiesen blättern. In einem dicken Buch mit Ledereinband liest man von der Errichtung des Babyliftes im Jahr 1986 oder dem Kauf der ersten Schneekanone in den 90er-Jahren. Es brauchte viel Geschick und Mühe, den sanften Hügeln des Rosalien­gebirges ein Skigebiet abzutrotzen. Eine Liftkarte kostet heute 27 Euro – pro Saison. Der Skiklub hat eine Pistenraupe, sie trägt den Schriftzug › Everest Power ‹. 350 Tage im Jahr steht sie aber in der ­Garage.

Ein Kapitel in der Chronik des Skiklubs ist Anton Koch gewidmet. Im Jahr 2002 baute er mit ein paar Männern einen Schlepplift in den Ennstaler Alpen ab, lud ihn in einen Lkw und stellte ihn in Wiesen wieder auf. Koch, heute 73 Jahre alt, weiße buschige Augenbrauen, stapft durch die nasse Wiese zur Bergstation. › Das war damals schon einer der ältesten Lifte der Steiermark ‹, sagt er und zeigt mit dem Finger hinauf zum Umlaufrad.

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