Die Toten von Rio
Der Polizeieinsatz am 28. Oktober in den Favelas Rio de Janeiros endete mit einem Blutbad. Warum setzt die Exekutive auf Gewaltexzesse, obwohl sie den Drogen-Kartellen damit nicht beikommt? Ein Lokalaugenschein.
Am Morgen des 28. Oktober 2025 steigt schwarzer Rauch über Rio de Janeiro auf. Im Norden der Stadt, in den Favelas Complexo da Penha und Complexo do Alemão, unweit des Flughafens, rollen gepanzerte Fahrzeuge durch die Gassen. Autos brennen, Hubschrauber wummern, Menschen verstecken sich in ihren Häusern. Bis in die Nacht hinein fallen die Schüsse.
Als die Sonne am nächsten Morgen aufgeht, liegen die Leichen entlang einer Straße in Penha. Aufgereiht in einer Linie, Schulter an Schulter, mehr als 50 getötete Männer. Es sind längst nicht alle. Viele von ihnen sind nur in Unterwäsche gekleidet, andere mit Bettlaken bedeckt, um sie vor den Blicken der Passanten zu schützen. Über die Toten beugen sich Mütter, Ehefrauen, Kinder. Sie wimmern vor Schmerz.
Die Leichen liegen zwischen den Häusern, im Gras, im angrenzenden Wald. Mehr als 2.500 Militär- und Zivilpolizisten drangen noch vor Tagesanbruch in die Favelas ein, um gegen das Comando Vermelho vorzugehen, die mächtigste Drogenbande Rios, die dort große Teile des Gebietes kontrolliert. Die Polizei nannte den Einsatz Operação Contenção – ›Operation Eindämmung‹. Die Bewohner der Favelas sprechen von einem ›Massaker‹.
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