Die Welt nicht zurechtbiegen
Christine Nöstlinger, eine der bekanntesten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen, wäre diesen Oktober
90 Jahre alt geworden, und pünktlich dazu startet im Kino das sehenswerte Doku-Porträt ›Nöstlinger – Sowieso und überhaupt‹. Der Film zeigt eklektisch ihr rund 160 Bücher umfassendes Werk mit direkten Zitaten aus den Texten sowie Wortmeldungen von ihren Wegbegleitern, Töchtern, Verleger/innen und Freund/innen.
Zahlreiche Archiv-Interviews mit der Autorin erzählen ihre Lebensgeschichte und zeigen ihren feinsinnigen Humor, der auch ihre Bücher auszeichnet. Als Arbeiterkind in eine sozialdemokratische, anti-faschistische Familie geboren, erlebt Nöstlinger eine Kindheit im Krieg und in der Nazidiktatur. Weil zuhause so anders über die Welt gesprochen wird als in Schule und Öffentlichkeit, entwickelt sie bereits als Kind eine Skepsis gegenüber Autoritäten und ein Bewusstsein für Ungerechtigkeiten.
Diese Eigenschaften tragen auch die meisten ihrer kindlichen Protagonistinnen und Protagonisten und meistern durch wachen Verstand und Witz allerlei auch unbequeme Lebensumstände. Über ihre Literatur resümierte die Autorin: ›Kinder brauchen ja keine Schonkost. Die leben genauso auf dieser Welt wie wir. Er hilft ihnen auf keinen Fall, wenn man die Umwelt sozusagen zurechtbiegt, verschönt und als heil gestaltet.‹ Mit diesem emanzipatorischen Verständnis von Pädagogik zeigt der Film nebenbei noch eine Zeitgeschichte der Post-68er und der Demokratisierung.
Und unterstützt vielleicht auch die Wiederentdeckung der über fast 50 Jahre verfassten und trotzdem zeitlosen Bücher.
Nöstlinger – Sowieso und überhaupt.
Regie: Alexandra Schneider, AT 2026.
Ab 16.10. im Kino